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Schulöffnungen: Kinder mit Diabetes können am Unterricht teilnehmen

Über 10 Millionen Schülerinnen und Schüler konnten in den vergangenen Wochen aufgrund der Corona-Pandemie nicht die Schulbank drücken. Nun wird in Deutschland vorsichtig der Schulbetrieb wieder aufgenommen. Bundesweit gibt es jedoch einzelne Einrichtungen, die Kinder und Jugendliche mit einem Diabetes mellitus davon vorerst ausnehmen. Sie beziehen sich dabei auf den Hinweis des Robert Koch-Instituts (RKI), dass Diabetespatienten zur Risikogruppe zählen.

Die Arbeitsgemeinschaft „Pädiatrische Diabetologie“ der Deutschen Diabetes Gesellschaft (DDG) weist in einer Stellungnahme darauf hin, dass laut aktuellem internationalen Forschungsstand Kinder und Jugendliche mit Typ-1-Diabetes nicht häufiger oder schwerer an COVID-19 erkranken als andere Kinder. Sie fordert daher dazu auf, Betroffene nicht auszugrenzen und sie ebenso am Unterricht teilhaben zu lassen wie ihre stoffwechselgesunden Mitschülerinnen und -schüler.

In Deutschland sind rund 9000 Kinder und Jugendliche nachweislich am Coronavirus erkrankt. Die Dunkelziffer wird weitaus höher geschätzt, da in diesem Alter die Erkrankung meist mild verläuft. Daher liegen bislang nur wenige Daten zum Verlauf einer SARS-CoV-2-Infektion bei Minderjährigen vor. Aus einer chinesischen Studie sowie mündlichen Berichten italienischer Diabetologinnen und Diabetologen gibt es jedoch keinen Hinweis darauf, dass Kinder und Jugendliche mit einem Diabetes mellitus ein erhöhtes Risiko für einen schweren Verlauf einer Virusinfektion haben.

„Aus kinderdiabetologischer Sicht spricht also nichts dagegen, dass im Zuge der aktuell geplanten Schulöffnungen auch die hierzulande rund 30 000 Kinder und Jugendlichen mit Diabetes die Schule besuchen“, bilanziert DDG Vizepräsident Prof. Dr. Andreas Neu aus Tübingen den aktuellen medizinischen Wissensstand. Er verweist auf die Stellungnahme der AG Pädiatrische Diabetologie (AGPD), die hierzu die aktuellsten Informationen zusammengetragen hat. Diese basiert auf einer Datensammlung der International Society for Pediatric and Adolescent Diabetes (ISPAD) aus der bislang keine bedenklichen Zusammenhänge zwischen COVID-19 und Kindern mit Diabetes abgeleitet werden könnten.

Dennoch haben einige Bundesländer wie Thüringen beschlossen, Kinder mit Diabetes zunächst pauschal vom Präsenzunterricht auszuschließen und berufen sich dabei auf die allgemeinen Informationen des RKI, wonach Diabetespatienten zur Risikogruppe zählen. „Bisher kennen wir kein Kind mit Typ-1-Diabetes, das durch COVID-19 zu Schaden gekommen wäre. Unsere Erkenntnisse zum Infektionsverlauf bei Kindern und Jugendlichen mit Typ-1-Diabetes legen nahe, dass sie nicht gefährdeter sind als ihre Altersgenossen und daher ganz normal am Alltagsleben teilhaben können“, betont Privatdozent Dr. med. Thomas Kapellen, Sprecher der AG „Pädiatrische Diabetologie“ der DDG. Er kritisiert, dass die betroffenen Familien durch bürokratische Entscheidungen in einzelnen Regionen nun unnötig in Bedrängnis geraten, sich weiterhin um die Betreuung zu sorgen. Aus organisatorischer und psychosozialer Sicht sei es bedenklich, diese Kinder ohne objektive medizinische Gründe und nur aufgrund ihres Diabetes vom Unterricht fernzuhalten. „Dies käme einer Diskriminierung gleich“, ergänzt Kinder-Diabetologe Neu.

Infektionsschutz-Maßnahmen weiter einhalten

Die empfohlenen Schutzmaßnahmen wie Händehygiene, Tragen eines Mund-Nasen-Schutzes und Abstandsregelungen sollten natürlich eingehalten werden. Liegt eine COVID-19-Erkrankung vor, gelten die gleichen Empfehlungen für das Management des Diabetes wie bei anderen Virusinfekten der Atemwege. „Da im Zuge des Infektes ein erhöhter Insulinbedarf zu erwarten ist, sollten Erkrankte häufiger den Blutzucker messen beziehungsweise die Sensor-Glukosewerte kontrollieren“, empfiehlt Kapellen, Kinder-Diabetologe aus Leipzig. Bei erhöhten Blutzuckerwerten muss die Insulindosis angepasst werden. Betroffene sollten sich bei langanhaltend schlechten Blutzuckerwerten an ihren behandelnden Arzt wenden.

Quelle: Deutsche Diabetes Gesellschaft (DDG)
DDB, 30. April 2020

Amputation beim Diabetischen Fußsyndrom: Patienten können ärztliche Zweitmeinung zur empfohlenen Operation einholen

Patienten mit Diabetischem Fußsyndrom (DFS)können sich vor einer Amputation an den unteren Extremitäten künftig eine unabhängige ärztliche Zweitmeinung einholen. Ein „qualifizierter Zweitmeiner“ überprüft dabei die medizinische Notwendigkeit des geplanten Eingriffs und berät zu konservativen und weniger invasiven Behandlungsmöglichkeiten. Das berichtet der Gemeinsame Bundesausschuss (G-BA) in einer aktuellen Pressemitteilung.


Neben dem Beschluss der entsprechenden Ergänzung der Richtlinie zum Zweitmeinungsverfahren Zudem beauftragte der G-BA das Institut für Qualität und Wirtschaftlichkeit im Gesundheitswesen (IQWiG), wissenschaftlich fundierte und unabhängige Gesundheitsinformationen zum Thema Amputation beim Diabetischen Fußsyndrom zu erstellen und auf seiner Website zu veröffentlichen.


Entscheidungsfindung für oder gegen eine Amputation beim DFS
Bei Diabetespatienten kann es aufgrund von Schäden an den kleinen Blutgefäßen und Nerven der Füße zu einem Diabetischen Fußsyndrom kommen. Das DFS ist durch eine schlecht heilende Wunde am Fuß gekennzeichnet, die im höheren Stadium bis auf die Ebene der Knochen reichen kann. Eine Behandlungsstrategie ist die Amputation an der unteren Extremität bis unterhalb oder oberhalb der Knöchelregion. Zu den alternativen Vorgehensweisen gehören die chirurgische Reinigung der Wunde, die Druckentlastung, die Behandlung von Infektionen und die Durchblutungsförderung.
Gegenstand des neuen Zweitmeinungsverfahrens ist die ärztliche Empfehlung für eine Amputation an der unteren Extremität zur Behandlung des Diabetischen Fußsyndroms. Es zielt darauf ab, eine informierte Entscheidungsfindung der Patienten bei der Auswahl weniger invasiver oder konservativen Behandlungsmöglichkeiten zu unterstützen und eine medizinisch nicht gebotene Amputation zu vermeiden.


Zweitmeinungsgebende Fachärzte
Die Genehmigung, Zweitmeinungsleistungen zu einer Amputation beim Diabetischen Fußsyndrom abzurechnen, können Fachärzte folgender Fachrichtungen bei ihrer Kassenärztlichen Vereinigung beantragen:
- Innere Medizin und Angiologie
- Innere Medizin und Endokrinologie und Diabetologie
- Gefäßchirurgie
- Allgemeinmedizin mit Zusatzbezeichnung Diabetologie
- Innere Medizin mit Zusatzbezeichnung Diabetologie
Fachärzte, die aufgrund ihrer besonderen Qualifikation und Unabhängigkeit für den jeweiligen Eingriff eine Genehmigung als Zweitmeinungsgeber erhalten, werden auf der Website des ärztlichen Bereitschaftsdienstes unter www.116117.de/zweitmeinung zu finden sein.
Der Beschluss wird nun dem Bundesgesundheitsministerium zur rechtlichen Prüfung vorgelegt. Er tritt nach Nichtbeanstandung durch das BMG und Veröffentlichung im Bundesanzeiger in Kraft.

Einholen einer unabhängigen ärztlichen Zweitmeinung zu einer empfohlenen Operation
Gesetzlich krankenversicherte Patienten haben nach Paragraph 27b Sozialgesetzbuch (SGB) V einen Rechtsanspruch auf Einholung einer unabhängigen ärztlichen Zweitmeinung. Der G-BA ist gesetzlich beauftragt zu konkretisieren, für welche planbaren Eingriffe der Anspruch auf eine Zweitmeinung besteht. Zudem sind vom G-BA in der Richtlinie zum Zweitmeinungsverfahren indikationsspezifische Anforderungen an die Abgabe der Zweitmeinung sowie an die Erbringer einer Zweitmeinung festzulegen.
Bislang besteht ein vom G-BA geregelter Zweitmeinungsanspruch bei Operationen an den Gaumen- und/oder Rachenmandeln (Tonsillektomien, Tonsillotomien), bei Gebärmutterentfernungen (Hysterektomien) und arthroskopischen Eingriffen am Schultergelenk.

Quelle: www.g-ba.de
DDB-Bundesverband, 16. April 2020

Diabetespatienten mit COVID-19-Erkrankung: Aktuelle Handlungsempfehlungen der DDG

Zu den häufigsten Begleiterkrankungen des Coronavirus SARS-CoV-2 zählen Diabetes und Herz-Kreislauf-Erkrankungen. Für diese Betroffenen besteht im Falle einer Virusinfektion ein erhöhtes Risiko für einen schweren Krankheitsverlauf mit akutem Lungen- oder Multiorganversagen.

Aufgrund der hohen Infektionsrate bei Diabetespatienten stellt die Deutsche Diabetes Gesellschaft (DDG) Ärzten praktische Empfehlungen zum Diabetes-Management bei einer COVID-19-Erkrankung zur Verfügung. Insbesondere sei auf Wechselwirkungen zwischen antidiabetischen und antiviralen Medikamenten sowie mögliche Komplikationen bei oralen Antidiabetika zu achten. Noch ist unklar, ob es einen kausalen Zusammenhang zwischen einem Diabetes und der COVID-19-Erkrankung gibt. Einzelne Arbeiten deuten beispielsweise auf eine mögliche Beziehung zwischen Coronavirus-Infektionen, ACE2-Expression und Glukosestoffwechsel hin. Klinische Studien hierzu stehen jedoch noch aus.
Um Menschen mit Diabetes während der Coronavirus-Pandemie bestmöglich zu versorgen, hat die DDG praktische Handlungsempfehlungen für das Diabetes-Management von Patientinnen und Patienten mit einer COVID-19-Erkrankung veröffentlicht. „Insbesondere in der Betreuung von Diabetespatienten mit häufigen Komorbiditäten wie Herz-Kreislauf-Erkrankungen, Adipositas oder Bluthochdruck kann eine effektive Diabetestherapie ausschlaggebend dafür sein, Komplikationen in Folge des Coronavirus zu umgehen“, betont DDG Präsidentin Professor Dr. med. Monika Kellerer.


Gute Blutzuckereinstellung – wichtig!
„Grundvoraussetzungen für Diabetespatienten sind zunächst eine gute Blutzuckereinstellung, eine Überwachung möglicher Anzeichen für eine Ketoazidose oder Laktatazidose sowie des Blutdrucks“, bilanziert Kellerer die Handlungsempfehlungen. Insbesondere Frauen mit einem Schwangerschaftsdiabetes, Menschen mit Typ-1-Diabetes und Patienten mit Komorbiditäten sollten bei einer COVID-19-Erkrankung hinsichtlich ihres Diabetes engmaschig betreut werden. „Hierzu bietet sich auch eine telefonische oder telemedizinische Versorgung per Videosprechstunde an“, so die ärztliche Direktorin des Zentrums für Innere Medizin I am Marienhospital Stuttgart.


Bei einer intensivmedizinischen Betreuung von Menschen mit Diabetes ist insbesondere die medikamentöse Therapie individuell und flexibel anzupassen. Die Autorinnen und Autoren betonen die möglichen Wechselwirkungen von antidiabetischen und antiviralen Medikamenten sowie eventuelle Nebenwirkungen oraler Antidiabetika. „Im Falle eines schweren Krankheitsverlaufs bei COVID-19 ist anzuraten, eine eventuell vorbestehende orale Medikation durch eine Insulinbehandlung zu ersetzen“, rät Professor Dr. med. Jochen Seufert, Leiter der Abteilung Endokrinologie und Diabetologie am Universitätsklinikum Freiburg und Mitautor der Handlungsempfehlung. Insulin gehe weniger mit Komplikationen wie Ketoazidose oder Laktatazidose einher und sei zudem besser mit antiviralen Medikamenten wie Hydroxychloroquin kombinierbar. „Die Überwachung der Blutglukosewerte ist mit einer Insulintherapie zudem wesentlich einfacher. Bei intensivmedizinischer Betreuung kann mit einem Insulinperfusor gearbeitet werden, der dem Patienten regelmäßig Insulin verabreicht.“ Bei Fieber sowie eingeschränkter Nahrungs- und Flüssigkeitsaufnahme empfehlen die DDG Experten, eine bestehende Therapie mit SGLT2-Inhibitoren oder Dapagliflozin bei Typ-1-Diabetes vorerst auszusetzen.


HbA1c: am besten unter 7,5 %!
Idealerweise sollte der Blutglukosewert von infizierten Diabetespatienten zwischen 70 und 180 mg/dl oder 3,9 und 10 mmol/dl und der Langzeitblutzuckerwert HbA1c unter 7,5 liegen. Bei intensivmedizinisch betreuten Patienten ist ein Blutzuckerwert zwischen 140 und 180 mg/dl beziehungsweise 7,8 bis 10 mmol/dl anzustreben. Der Blutdruck sollte sowohl bei milden sowie schweren Verläufen 135/85 mmHg möglichst nicht übersteigen.


Die Experten empfehlen zudem, alle COVID-19 erkrankte Personen hinsichtlich eines nicht -bekannten Diabetes zu untersuchen. „So können die behandelnden Ärzte ausschließen, dass es zu stoffwechselbedingten Komplikationen im Krankheitsverlauf kommt und rechtzeitig gegenlenken“, betont Kellerer. Unabhängig von einer Infektion mit dem Coronavirus empfiehlt die DDG ein Diabetes-Screening per HbA1c-Bestimmung bei allen klinischen, aber auch ambulanten Patienten über 50 Jahren. Denn den rund sieben Millionen diagnostizierten Diabetespatienten stehen etwa 1,3 Millionen Menschen gegenüber, die von ihrer Diabeteserkrankung noch nichts wissen.


Die „Praktischen Empfehlungen zum Diabetes-Management bei Patientinnen und Patienten mit einer COVID-19-Erkrankung“ beziehen sich auf Erwachsene. Für Kinder und Jugendliche gelten die Behandlungsstrategien und Dosisangaben, die in der DDG-Leitlinie „Diagnostik, Therapie und Verlaufskontrolle des Diabetes mellitus im Kindes- und Jugendalter“ festgelegt sind.

Quelle: Deutsche Diabetes Gesellschaft (DDG)

DDB, Berlin, 7. April 2020

Diabetes und Corona-Virus: Aktuelle Informationen

Das Thema „Corona-Virus“ und wie man als Diabetespatient – ob mit Typ 1 oder Typ 2 – damit vernünftig umgehen soll, beschäftigt auch den Deutschen Diabetiker Bund (DDB) seit Wochen. Im Internet kursieren derzeit die wildesten Geschichten und jede Menge Fake News, die für viel Verunsicherung sorgen und die Sie am besten nicht an sich heran lassen sollten.

Der DDB nimmt das Thema sehr ernst und steht im ständigen Austausch mit Diabetesexperten und anderen Diabetesorganisationen,

Seriöse Informationen rund um die Corona-Pandemie und Diabetes, die von ausgewiesenen Fachjournalisten ständig aktualisiert und geprüft werden, finden Sie auf der Website unter www.diabetes-online.de (Diabetes-Journal, Kirchheim-Verlag).

Unter folgendem Link sind dort alle aktuellen Informationen zusammengefasst:

https://www.diabetes-online.de/a/covid-coronavirus-darauf-sollten-menschen-mit-diabetes-nun-achten-2139594

Wir halten Sie weiter auf dem Laufenden und wünschen Ihnen in dieser anstrengenden Zeit alles Gute!

DDB, 20. März 2020

Corona-Virus: Aktuelle Infos und Handlungsempfehlungen für soziale und gemeinnützige Einrichtungen

Vor dem Hintergrund der Ausbreitung des Corona-Virus und den daraus resultierenden Folgen für soziale und gemeinnützige Einrichtungen hält der Paritätische Gesamtverband auf seiner Website erste Informationen und Handlungshilfen zu häufig in diesem Kontext gestellten Fragestellungen bereit.

Sie können die Interseite auf der Homepage des Paritätischen Gesamtverbandes unter folgendem Link aufrufen, diese wird fortlaufend aktualisiert: https://www.der-paritaetische.de/schwerpunkt/corona/

Quelle: Paritätischer Gesamtverband

DDB, Berlin, 19. März

 

Sie können die Interseite auf der Homepage des Paritätischen Gesamtverbandes unter folgendem Link aufrufen:https://www.der-paritaetische.de/schwerpunkt/corona/

Quelle: Paritätischer Gesamtverband

DDB, Berlin, 19. März 2020

Gemeinsame Stellungnahme von DGI und DGIM zur Corona-Pandemie

Die Deutsche Gesellschaft für Innere Medizin (DGIM) hat sich nach eigenen Angaben und angesichts der aktuellen Entwicklungen bei der Corona-Pandemie dazu entschieden, den für April geplanten Internistenkongress in Wiesbaden abzusagen.

Zum Thema "Corona" gaben die Deutsche Gesellschaft für Infektiologie (DGI) und die DGIM eine gemeinsame Stellungnahme heraus:

Leben retten – nur eine rasche „Notbremsung“ kann jetzt helfen

Die Infektionen mit SARS-CoV-2 und die COVID-19 Erkrankungen steigen aktuell in Deutschland rapide an. Die exponentielle Zunahme der Fälle wird bei ungebremster Fortsetzung des Trends und der aktuell verzeichneten Verdopplung der Fallzahlen etwa alle drei Tage, zu etwa 20.000 Fällen in Deutschland bis Ende der Woche führen. Die Beobachtung einer bisher niedrigen Mortalität ist trügerisch, sie steigt erst im weiteren Verlauf der Ausbreitung an. Dieser Trend ist bereits jetzt sichtbar: Die Letalität („Tödlichkeit“) betrug bis zum 9. März 2020 noch 0 % und liegt aktuell bei 0,2 %. In den Kliniken lässt sich parallel eine rasch steigende Zahl von stationär oder intensivmedizinisch behandlungspflichtiger Patienten beobachten.

Unmittelbar handeln!
Um die weitere Ausbreitung zu bremsen, muss unmittelbar gehandelt werden, so die Experten der Deutschen Gesellschaft für Infektiologie und der Deutschen Gesellschaft für Innere Medizin. Länder wie Taiwan, Südkorea oder Hongkong haben gezeigt, dass mit tiefgreifenden Einschränkungen des öffentlichen Lebens eine Eindämmung der Epidemie möglich ist. Kommen diese zu einem zu späten Zeitpunkt - wie in Italien geschehen - sind diese Maßnahmen weit weniger wirksam.

Die überwiegend milden Verläufe bei jüngeren und gesunden Infizierten täuschen über die Bedrohung durch SARS-CoV-2 hinweg; ihnen steht eine dramatisch hohe Rate an schweren Verläufen bei chronisch kranken, immunsupprimierten und älteren Menschen gegenüber. Es muss vermieden werden, dass Kontaktpersonen dieser besonders gefährdeten Bevölkerungsgruppen die Infektion an diese weitergeben. Eine der wichtigsten Gruppen hierbei sind Mitarbeiter in Seniorenheimen und Pflegeeinrichtungen, ambulante Pflegedienste und alle anderen Berufsgruppen, die vor allem kranke und ältere Mitmenschen betreuen.

In der letzten Woche sind mit der Absage von Großveranstaltungen und Schließung von Schulen und Kindertagesstätten bereits wichtige Schritte unternommen worden. Diese Maßnahmen reichen aber nicht aus. Die weitere Ausbreitung von COVID-19 kann nur durch noch deutlich weitergehende Einschränkungen des öffentlichen Lebens gelingen: Hierzu zählt die völlige Schließung von gastronomischen Betrieben und nicht-systemrelevanten Arbeitsstätten. Wie in anderen Ländern sollten Zusammenkünfte von mehr als fünf Personen unterbleiben. Die zwingende Notwendigkeit solcher Maßnahmen muss der Bevölkerung sehr deutlich und anschaulich vermittelt werden, damit sie entsprechend angenommen werden.

Den Anstieg der Fälle für die nächsten zwei Wochen lässt sich aktuell kaum mehr beeinflussen, aber rasche effektive Maßnahmen können immer noch die Höhe der anrollenden Welle von Infektionen deutlich verringern. Die wirtschaftlichen Folgen sind erheblich und viele Anstrengungen werden nötig sein, um diese abzumildern. Bei nüchterner Betrachtung aller Alternativen wird dennoch nur die sofortige „Notbremsung“ des öffentlichen Lebens noch größere Schäden verhindern.

Quelle: www.dgim

Deutscher Diabetiker Bund (DDB), Berlin, 16. März 2020

Nicht alle Diabetespatienten „über einen Kamm scheren“! – 5 Diabetestypen bekannt

Nicht alle Diabetespatienten „über einen Kamm scheren“! –  5 Diabetestypen bekannt

Nicht jeder Typ-2-Diabetes ist in Ursache, Erscheinung und Ausprägung identisch. Bisher fehlten jedoch eine sinnvolle Klassifizierung und eine darauf angepasste Behandlung. In Klinik und Praxis führt das bisweilen zu einer Über- und Unterversorgung der Betroffenen. Forscher haben die Stoffwechselerkrankung nun in Subtypen unterteilt, was eine präzisere, individuelle Therapie und Prävention ermöglicht. Wie diese Ergebnisse in den Praxisalltag gelangen können und wo noch Forschungslücken zu schließen sind, berichten Experten bei der Jahrespressekonferenz der Deutschen Diabetes Gesellschaft (DDG) heute in Berlin.

Sie zeigten auch auf, welche Patienten ein erhöhtes Risiko für Begleiterkrankungen wie Fettleber und diabetische Nephro- und Neuropathie aufweisen und wie diabetesbedingte Komplikationen durch Präzisionsmedizin verzögert oder sogar verhindert werden können. Im Fokus der Veranstaltung standen zudem Erfahrungen aus 20 Jahren Disease-Management-Programm (DMP) und die Frage, ob die hausärztliche Versorgung einer drohenden Diabetes-Epidemie gewachsen ist.

Beim Diabetes nicht nur bis Zwei zählen – so könnte ein neues Motto in der diabetologischen Versorgung lauten. Denn sowohl eine schwedische als auch deutsche Untersuchung zeigten, dass eine Unterteilung des Typ 2¬-Diabetes in fünf Subtypen* sinnvoll ist. „Diese Erkenntnisse können die Diabetesbehandlung deutlich verbessern“, erklärte im Vorfeld der Pressekonferenz Prof- Dr. Andreas Fritsche, einer der Sprecher der Kommission „Epidemiologie und Versorgungsforschung“ der DDG. Denn jenseits der Differenzierung in Diabetes Typ 1 und 2 gebe es in der Regelversorgung derzeit noch keine Unterscheidung. „Wir müssen davon ausgehen, dass mit dem bisherigen Kenntnisstand nicht wenige Patientinnen und Patienten mit Diabetes unter- bzw. übertherapiert werden.“ Dies könne sich nun ändern.
Die Ergebnisse der schwedischen Cluster-Analyse1 konnten in der Deutschen Diabetes-Studie2 bestätigt werden. In beiden Fällen untersuchten die Autorinnen und Autoren Typ 2-Patienten in Bezug auf ihren Krankheitsverlauf und ihre Risiken für diabetesbedingte Komplikationen und Begleiterkrankungen. Auffallend war, dass sich insbesondere hinsichtlich der diabetischen Nephropathie, der nichtalkoholischen Fettleber (NAFLD) und der diabetischen Neuropathie unterschiedliche Risiken bei den Patienten abbildeten: „Betroffene mit dem Subtyp SIDD, die an einem ausgeprägten Insulinmangel leiden, entwickeln beispielsweise besonders häufig eine Retinopathie und Polyneuropathie. Sie brauchen als Erstlinientherapie wahrscheinlich Insulin und sind damit ganz anders zu behandeln als insulinresistente SIRD-Patienten“, so Fritsche. Bislang werden die Betroffenen jedoch routinemäßig zunächst mit oralen Antidiabetika versorgt. Die andere Hochrisikogruppe SIRD hingegen hat ein erhöhtes Risiko für eine Nephropathie und NAFLD.

Aus diesen unterschiedlichen Risiken ergeben sich auch neue Therapieansätze mit entsprechenden präventiven Maßnahmen. „Weiß man, welchem Subtyp ein Patient angehört, sollte man ihn deutlich effektiver therapieren können und damit Folgeerkrankungen vermeiden“, bilanzierte Fritsche. „Dazu ist wahrscheinlich eine routinemäßige Bestimmung der endogenen Insulinsekretion ausreichend, wofür man nur eine Blutabnahme im Nüchtern-Zustand benötigt“, erklärt Fritsche, Stellvertretender Leiter des Instituts für Diabetesforschung und Metabolische Erkrankungen des Helmholtz-Zentrums München an der Universität Tübingen. Auch Patienten mit einem risikoärmeren, altersbedingten Diabetes wie dem MARD könnten von diesen Erkenntnissen profitieren. „Die Studien zeigen, dass etwa ein Drittel der Diabetespatienten von diesem Typ betroffen sind “, betonte er. Diese Gruppe kann möglicherweise weniger aggressiv behandelt werden, die Erkrankung darf aber trotzdem keinesfalls bagatellisiert werden.
„Bevor die Subtypen in die Diabetesversorgung aufgenommen werden, braucht es noch prospektive Studien, die differenzierte Therapiestrategien bei den unterschiedlichen Subgruppen prüfen“, fordert Prof. Dr. Wolfgang Rathmann vom Deutschen Diabetes Zentrum in Düsseldorf, ebenfalls Sprecher der Kommission „Epidemiologie und Versorgungsforschung“. In einem kürzlich veröffentlichten Positionspapier hat ebendiese Kommission Forschungslücken bei der Subtypisierung dargestellt, die es nun zu schließen gilt.3

*Die 5 Diabetestypen in der Übersicht:
• SAID (severe autoimmune diabetes): früher Krankheitsbeginn, niedriger Body-Mass-Index) BMI, Insulinmangel, GADA-positiv, schwierige metabolische Einstellung
• SIDD (severe insulin-defcient diabetes): GADA-negativ, sonst wie Gruppe 1
• SIRD (severe insulin-resistant diabetes): ausgeprägte Insulinresistenz, hoher BMI
• MOD (mild obesity-related diabetes): Adipositas ohne ausgeprägte Insulinresistenz
• MARD (mild age-related diabetes): höheres Alter, leichte Stoffwechselstörung

Literatur:
1 Ahlqvist E et al., Novel subgroups of adult-onset diabetes and their association with outcomes: a data-driven cluster analysis of six variables. Lancet Diabetes Endocrinol. 2018 May;6(5):361-369. doi: 10.1016/S2213-8587(18)30051-2. Epub 2018 Mar 5.

2 Zaharia OP et al.: Risk of diabetes-associated diseases in subgroups of patients with recent-onset diabetes: a 5-year follow-up study. The Lancet Diabetes & Endocrinology.

3 Differenzierung von Subgruppen in der Diabetologie – Positionspapier der Kommission Epidemiologie und Versorgungsforschung der DDG

Quelle: Deutsche Diabetes Gesellschaft

DDB, 11. März 2020
Copyright: DDB

Neues Coronavirus: Kein erhöhtes Infektionsrisiko für Diabetespatienten ohne weitere gesundheitliche Einschränkungen

Weltweit gibt es aktuell mehr als 87.000 bestätigte Infektionen mit dem neuen Coronavirus SARS-CoV-2 und rund 3.000 Menschen sind an der Krankheit COVID-19 verstorben(1). Bislang verlaufen die meisten Erkrankungen mild. Da es allerdings bei chronischen Grunderkrankungen zu schwereren Verläufen kommen kann, empfiehlt die Deutsche Diabetes Gesellschaft (DDG) Menschen mit Diabetes eine stabile Blutzuckereinstellung. Dadurch werde das Infektionsrisiko minimiert. Zudem gilt generell, die Infektionsschutz-Maßnahmen des Robert-Koch-Instituts (RKI) einzuhalten, wie die Husten-Nies-Etikette und gründliches Händewaschen. Patienten mit diabetischen Begleit- und Folgeerkrankungen an Organen wie Herz, Nieren oder Leber, sollten hohe Ansteckungsgefahren – beispielsweise große Menschenansammlungen – verstärkt meiden. Vor Lieferengpässen von Diabetesmedikamenten brauchen sich Patienten nicht fürchten.


Wie Grippeviren kann eine Infektion mit dem Coronavirus SARS-CoV-2 zu Symptomen wie Husten, Schnupfen, Halskratzen und Fieber führen, in einigen Fällen sogar zu Durchfall. „Da die Viruserkrankung in den meisten Fällen mild verläuft, sehen wir bislang auch für Menschen mit Diabetes nicht mehr Gefahr, als bei einem herkömmlichen Grippevirus“, erklärt DDG Präsidentin Professor Dr. med. Monika Kellerer. „Auch hier empfehlen wir die allgemeine vom RKI empfohlene Vorsorge, die auch für die Influenza gilt“ (1). Einfache Maßnahmen wie die Husten-Nies-Etikette, gründliches Händewaschen, Hände möglichst fern vom Gesicht halten und ausreichend Abstand zu anderen Menschen einhalten, helfen schon, um sich vor Erregern zu schützen.


Bei Diabetes ist für den Krankheitsverlauf bei Infektionen eine gute Blutzuckereinstellung hilfreich. „Auch im Falle einer Infektion mit dem bislang noch wenig erforschten Coronavirus SARS-CoV-2 gehen wir – analog zur Influenza – davon aus, dass man mit einem ausgeglichenen Stoffwechsel das Risiko für Komplikationen reduzieren kann“, betont DDG Mediensprecher Professor Dr. med. Baptist Gallwitz.
„Haben Diabetespatienten Begleit- und Folgeerkrankungen wie Herzkreislaufprobleme oder Organschäden, sollten sie aktuell jedoch besonders achtsam sein“, warnt Gallwitz, stellvertretender Ärztlicher Direktor der Medizinischen Klinik, Innere Medizin IV, des Universitätsklinikums Tübingen. Im Falle einer Ansteckung mit Coronavirus SARS-CoV-2 haben sie durch ihr geschwächtes Immunsystem und eventuell bereits bestehende Infektionen ein höheres Risiko für einen schweren Krankheitsverlauf. Das gilt vor allem für Menschen nach einer Organtransplantation mit immunsuppressiver Therapie. Sie sollten sich vor großen Menschenmengen, öffentlichen Verkehrsmitteln und Gebieten, in denen Infektionsfälle bekannt geworden sind, fernhalten.


Lieferengpässe bei Diabetesmedikamenten müssen Patienten nicht befürchten. „Diabetesmedikamente wie Insulin werden vorwiegend in Deutschland, USA, Dänemark, Frankreich, Großbritannien – nicht jedoch China – hergestellt“, berichtet Kellerer. Von einer Medikamentenknappheit für Diabetespatienten ist auch künftig nicht auszugehen. Die Ärztliche Direktorin des Zentrums für Innere Medizin I am Marienhospital in Stuttgart rät daher davon ab, große Vorräte an Medikamenten und Diabetesutensilien, die über die Versorgung von einem Quartal hinausgehen, für sich selbst zu bevorraten.

Quelle: Deutsche Diabetes Gesellschaft (DDG) 

Informationen:

1 Novel Coronavirus (COVID-19) Situation (WHO)
2 RKI: Allgemeine (tagesaktuelle) Informationen zu COVID-19 (Coronavirus SARS-CoV-2)

RKI: Risikobewertung zu COVID-19 (Coronavirus SARS-CoV-2)

Reise- und Sicherheitshinweise des Auswärtigen Amtes

Diabetiker Allianz beim TV-Magazin "Report Mainz"

Die Nationale Diabetes-Strategie ist mal wieder ins Stocken geraten. Obwohl sie längst in der deutschen Gesundheitspolitik angekommen ist – schon seit 2018 steht die Strategie im Koalitionsvertrag – geht es nicht voran. Woran es hakt, dass die dringend benötigte Diabetes-Strategie immer noch keinen politischen Durchbruch erzielt hat, beleuchtet ein aktueller TV-Beitrag von „Report Mainz“ mit dem Titel „Volkskrankheit Diabetes – Warum die Politik dringend handeln muss“, der am 25. Februar 2020 in der ARD (SWR Fernsehen) ausgestrahlt wurde.

In dem Beitrag warnt auch die Diabetiker Allianz (DA) – vertreten durch Klaus-D. Warz, Vorsitzender der Deutschen Diabetes Föderation (DDF), und Sandra Schneller, Bundesvorsitzende des Deutschen Diabetiker Bundes (DDB) – anhand eines neuen Positionspapiers der DA vor der derzeitigen Politik des Nichthandelns, während die Diabetes-Epidemie in Deutschland ungehindert fortschreitet.

Jetzt in der Mediathek anschauen.

Kassen müssen künftig mehr Leistungen bei der medizinischen Fußpflege zahlen

Der Gemeinsame Bundesausschuss (G-BA) hat im Februar 2020 die Verordnungsfähigkeit von medizinischer Fußpflege erweitert. Der Deutsche Diabetiker Bund (DDB) begrüßt diese Entscheidung.

Nach Angaben des G-BA kann podologische Therapie künftig bei weiteren Erkrankungsbildern zulasten der gesetzlichen Krankenkassen verordnet werden, erklärt das Gremium in einer Pressemitteilung. Eine Verordnungsmöglichkeit besteht derzeit ausschließlich beim diabetischen Fußsyndrom. Durch die beschlossene Erweiterung des bisherigen Indikationsbereichs können Maßnahmen der podologischen Therapie (medizinische Fußpflege) jetzt auch bei Schädigungsbildern an Haut und Zehennägeln verordnet werden, die mit einem diabetischen Fußsyndrom vergleichbar sind. Damit können zum Beispiel auch Hautschädigungen an den Füßen in Folge eines Querschnittsyndroms podologisch behandelt werden.

„Eine fachgerecht durchgeführte Hornhautabtragung und Nagelbearbeitung soll Folgeschädigungen wie Entzündungen vermeiden, die im schlimmsten Fall zu einer Amputation des Fußes führen können“, betont Dr. Monika Lelgemann, unparteiisches Mitglied des G-BA und Vorsitzende des Unterausschusses Veranlasste Leistungen. „Auch in Folge anderer Erkrankungen können vergleichbare Schädigungsbilder auftreten, die mit podologischer Therapie wirksam behandelt werden können. Um auch hier schwerwiegenden Folgeerkrankungen entgegenzuwirken, hat der G-BA die Verordnungsfähigkeit der podologischen Therapie insgesamt ausgeweitet.“

Die Maßnahmen können künftig von allen Patienten in Anspruch genommen werden, bei denen nachweislich eine Schädigung des Fußes besteht, die mit dem diabetischen Fußsyndrom vergleichbar ist und auf ähnliche Sensibilitätsstörungen – auch verbunden mit Durchblutungsstörungen – zurückzuführen ist. Maßnahmen der podologischen Therapie sind dann auch bei einer Schädigung als Folge einer sensiblen oder sensomotorischen Neuropathie oder eines Querschnittsyndroms verordnungsfähig.

Der Beschluss zur Änderung der Heilmittel-Richtlinie tritt nach Nichtbeanstandung durch das Bundesgesundheitsministerium im Bundesanzeiger in weiten Teilen am 1. Juli 2020 in Kraft.

Quelle: www.g-ba.de