Zur Navigation springenZum Inhalt springenZur Zweitnavigation springenZur Suche springen
Zweitnavigation
Gesundheitspolitik | Service | Termine | Kids | Presse Dritte | Literatur | Reise | Links | Selbstverpflichtung

Schriftfarbe ändern:
invertieren zurücksetzen

zurück zur Rubrik
Reise » Reiseerfahrungen »
Sie befinden sich in der Rubrik
Kalifornien

Keine Angst vor großen Reisen

Wohnmobil in der Weite der kargen Landschaft im Westen der USAAls Anfang 1993 im Alter von 48 Jahren mein Diabetes Typ 2 festgestellt wurde, hatten wir gerade eine Reise über den großen Teich geplant. Wir wollten 4 Wochen mit dem Wohnmobil durch den Westen der USA reisen. Was nun? Zuerst war ich etwas verunsichert, denn von Diabetes hatte ich so gut wie keine Ahnung. Der Arzt gab mir gutgemeinte Ratschläge: Bewegung und Diät wären das Wichtigste für mich, noch sollte ich ohne Medikamente auskommen und auch von dem Besitz eines eigenen Messgerätes hatte ich zu dieser Zeit noch nichts gehört.

Im nachhinein muss ich sagen, dass dieser wunderbare Urlaub nicht besser für mich als Neu-Diabetiker sein konnte. Durch die täglich wechselnden Eindrücke hatte ich keine Zeit, nebenbei zu naschen - das war nämlich immer mein größtes Problem. Ich ernährte mich endlich einmal gesund, denn auf dem Speiseplan standen leicht herzustellende Speisen. Das waren Suppen, Salate, Obst und zwar zu den erforderlichen Zeiten. Da gab es keine Kühlschrankinspektionen nebenbei. Dafür war die Zeit viel zu kostbar, denn es war so unendlich viel zu entdecken.

Der Flug nach Amerika ging von Berlin über London in insgesamt 12 Stunden nach San Francisco, unserem ersten Aufenthalt in den USA. Hier hatten wir drei Tage Zeit, diese großartige Stadt zu erkunden.

Aufgeregt fuhren wir als erstes mit einem Cable Car (das ist eine unter Denkmalschutz stehende Drahtseilbahn, die an einem Zugseil durch die Straßen gezogen wird) zum Hafen, der sich uns als halber Jahrmarkt zeigte. An Imbiss-Ständen gab es Krabben und andere Leckereien. Wir stellten uns an eine lange Menschenschlange, denn wir wollten mit einem Schiff eine Hafenrundfahrt machen und bei dieser Gelegenheit die Gefangeneninsel Alcatraz betrachten. Vor uns lag im Sonnenschein die Golden Gate Bridge. Mittels Kopfhörer wurde uns auf Deutsch die Umgebung erklärt.

Roter verzierter Durchgang im japanischen GartenSan Francisco ist auf Hügeln erbaut und wir waren abends mächtig erschöpft, weil es immer hügelauf und hügelab ging. Begeistert besahen wir uns fast alles, was die Stadt an Sehenswürdigkeiten zu bieten hatte. Den riesigen Golden Gate Park, der sich im Westen der Stadt bis an den Pazifischen Ozean zieht, zu durchqueren war ein MUSS. Hier besuchten wir auch den Japanischen Teegarten und erfreuten uns an den Orchideen im Botanischen Garten.
Überall im Park stehen Grillplätze, die von jedem genutzt werden können. Alles war blitzsauber, das kannten wir von den Berliner Parkanlagen, in denen gegrillt werden darf, leider nicht.

In den Einkaufspassagen bestaunten wir Weihnachtsgeschäfte mitten im April. China-Town lockte mit seinen Läden und Restaurants. Doch das wollten wir uns erst an den Tagen vor der Rückreise ansehen, denn jetzt stand die Reise quer durch das Land mit dem Wohnmobil auf dem Programm.

Wir hatten uns schon in Berlin monatelang auf diese Tour vorbereitet. Mein Mann hatte für jeden Tag einen Plan ausgearbeitet, den ich dann auf dem Schoß hielt, um als Beifahrer den Weg zu weisen.

Rot und imposant  ragt die Golden Gate-Brücke in den HimmelErst ging es über die Golden Gate Brücke Richtung Norden, Sacramanto bzw. der Vulcanic Park war das erste Ziel, wo wir uns Geysire ansehen wollten. Das Wohnmobil schwankte im Fahrtwind und mein Mann musste sich erst an das Fahren gewöhnen.

Gefrühstückt wurde am ersten Camptag bei Burger King, denn wir mussten erst einmal im nächsten Supermarkt die nötigen Vorräte für unseren Kühlschrank einkaufen.

Bald fuhren wir durch tiefsten Schnee, bogen Richtung Vulcanics ab, aber die Straße war wegen der Witterung gesperrt. Wir mussten wieder zurück, und eine andere von uns ausgearbeitete Route nach Süden nehmen. Jetzt fuhren wir also nach Lake Tahoe, Richtung Squaw Valley, dort wollten wir das Olympia Gelände besichtigen.

Bonanza-Kulisse mit Planwagen, Gebäude und dahinter WaldDie Gegend war wunderschön und als ich mich so umsah, sah ich zufällig das Schild "Bonanza Farm". Das mussten wir uns ansehen. Begeistert liefen wir durch die kleine Stadt, die der Fernsehserie einst als Kulisse gedient hatte. Sogar Grabsteine mit den eingemeißelten Namen der Hauptpersonen waren zu sehen. In den Gebäuden der nachgemachten Westernstadt wurden Andenken und Kunstarbeiten zum Kauf angeboten.

Abends war es manchmal schwierig, die Campplätze zu finden, und oftmals erreichten wir unser aufgezeichnetes Ziel erst im Dunkeln.

Einen Schreck bekam ich, als ich an einem Morgen Brötchen in der Backröhre warm machen wollte. Ich hatte den Herd nicht noch einmal kontrolliert, so waren wir mit kleiner Flamme unterwegs gewesen, was hätte da nicht alles passieren können.

Die Fahrt war herrlich. Es gab eine Sehenswürdigkeit nach der anderen. Wir hatten uns eine "Goldene Eintrittskarte" besorgt, mit der wir Zutritt zu allen staatlichen Canyons und Nationalparks hatten.

Im Yosemite Nationalpark hatten wir Pech. Bei der Wohnmobil-Übergabe hatte uns niemand darauf aufmerksam gemacht, dass man die Treppe an der hinteren Seitentür hochklappen konnte. Wir bestaunten gerade glücklich die wunderschöne Felslandschaft, da krachte es plötzlich fürchterlich. Ein vorstehender Fels hatte uns die Treppe abgerissen. Mein Mann wuchtete mühselig den kaputten Treppenrest ab, und ich musste ab jetzt immer elegant runter- und raufhopsen.

Inzwischen hatten wir wärmere Gegenden erreicht und konnten die warmen Kleidungsstücke im Schrank lassen. Besonderen Spaß machte das Einkaufen in den überdimensionalen Supermärkten. Alles gab es in riesigen Büchsen oder Abpackungen. Der Fleischer guckte erstaunt, als ich nur zwei Koteletts verlangte und ihn bat, das Fleisch etwas zu klopfen. Als wir abends grillen wollten, war die Überraschung groß. Er hatte meine Gesten und mein Kauderwelsch missverstanden, und die Koteletts zu Gulasch verarbeitet.

Blick von oben in die Weite der Felsen des Grand CanyonWir hatten wunderbare Erlebnisse auf dieser Reise, die ich in diesem Bericht leider nur kurz wiedergeben kann.

Wie herrlich war das Frühstück mit Blick über den Grand Canyon. Wie staunten wir, als in Flagstaff am Morgen unser Wasser eingefroren war und der Duschschlauch steif in der Vorrichtung hing. Gestern hatten wir doch noch Kolibris im Sonnenschein fotografiert.

Vorbei ging es an Indianerhöhlen aus früherer Zeit. Im heftigen Sandsturm durchfuhren wir die Felsen des Monument Valley in Utah, wo uns Indianer ihre Silberwaren anboten. Am Brice Canyon spielten possierlich Streifenhörnchen, um dann in den im Sonnenlicht golden schimmernden Felsspalten zu verschwinden.

Autorin vor gigantisch hohem Mammut-BaumWie klein fühlten wir uns, als wir unter den Mammutbäumen im Sequoia Nationalpark standen, und wie schön waren die Wasserfälle im Kings Canyon. Die Fahrt durch den heißen Death Valley nahm uns den Atem.

In Las Vegas gingen uns die Augen über. Welche Pracht. Wir blieben mit dem Mobil im RV-Park des Circus-Circus-Geländes und tummelten uns erst einmal im Pool, bevor wir im Hotelgebäude der Anlage essen gingen. Alles war hier riesig. Die Sitzplätze im Restaurant wurden uns zugewiesen, für 2.99 Dollar konnte man essen, so viel man wollte bzw. in meinem Fall "durfte".

In den anderen Stockwerken des Hotels standen Spielautomaten über Spielautomaten, doch wir wollten uns Las Vegas von draußen ansehen. Der "Las Vegas Strip" ist ein Prachtboulevard. Eine Lichtreklame übertrifft die andere. Überwältigt liefen wir die 6 km bis zum "Excalibur"-Hotel, wo wir ganze 2 Dollar verspielten. Ich hatte an diesem Tag Pumps angezogen, das bedauerte ich zutiefst, denn meine Füße spürte ich noch tagelang. Vorbei ging es am Mirage, wo auf riesigen Tafeln der Auftritt von Siegfried und Roy mit ihren Tigern angekündigt wurde. Über einem künstlichen Wasserfall ging ein Vulkan los und spie Asche und Feuer. Es war Kitsch in Höchstform und doch etwas für das Auge. Aber das war nicht unsere Welt, und wir waren froh, als es am nächsten Tag zum Hooverdamm weiterging.

Ein besonderes Erlebnis war die Übernachtung in der Mojavi Wüste. In einem Wüsten-Camp gab es das Wasser nur tröpfchenweise aus großen Behältern für unsere leeren Wasserflaschen. Mitten in der Nacht wachte ich auf und guckte aus dem Fenster. Hell leuchteten die Sterne am Himmel, so nahe, dass ich sie fast greifen konnte. Dieses Glücksgefühl werde ich nie vergessen.

Disney-Land-Hase gibt Autogramme an KinderSan Diego mit seinem First Class Campingplatz und den gepflegten Straßen, Los Angelos und Anaheim mit Disneyland, wir genossen den Urlaub.

Zum Schluss führte unsere Fahrt über die Traumstraße der Welt, vorbei an Monterey und den Seven Miles Drive mit seiner einsamen Pinie, dem meistfotografierten Baum am Pacific. Wie glücklich machten wir den am Straßenrand campierenden Mann mit seinem Hund, als wir ihm Würstchen, Mehl, Öl, Tee und vor allem Kaffee schenkten, weil unser Urlaub leider vorbei war, und wir zurück nach San Francisco mussten.

Nach dem Urlaub war mein Arzt mit meinen Werten sehr zufrieden, das bewies, dass man bei Diabetes nun einmal darauf achten muss, womit man sich tagtäglich ernährt. Doch ich gestehe: zu Hause gelingen mir die guten Vorsätze nicht immer. Stress am Arbeitsplatz und Undisziplin ließen mein Gewicht durch unkontrolliertes Essen nach oben schnellen. So wurde ich, wie leider viele Diabetiker des Typ 2, doch bald tablettenpflichtig. Aber das ist eine Geschichte, die ich vielleicht ein anderes Mal erzählen werde.

Texte und Fotos:
Karin Pospich, Berlin
E-Mail: Karin.Pospich@t-online.de

Artikel drucken

zurück zur Auswahl


 nach oben