All inclusive in Cancun (Mexiko)
Nach
einer Rundreise in Yucatan hatten wir anschließend 14 Tage Badeurlaub
in Cancun gebucht, um uns am Karibischen Meer zu erholen. Wir waren gespannt,
ob sich die Versprechungen unseres Reiseprospektes erfüllen würden.
Das 4-Sterne-Hotel entpuppte sich als übervolles Familien-Hotel. Ganz nett, aber sehr, sehr einfach; und fast den ganzen Tag war Animation angesagt. Touristen brauchen so etwas.
Unser ersehnter Karibik-Strand war etwa so breit wie ein Fußballfeld. Links und rechts waren Anlegestege für Motorboote und Katamarane. Da konnte man Fahrten mieten. Am Strand lagen Paddel-, Segelboote und ein Tretboot. Die gehörten zum „All inclusive“-Programm und waren darum ständig ausgegeben.
Das Stückchen Meer war voller Algen. Mittendrin hatte man eine 2 m breite „Schneise“ gezogen, damit wir auch etwas Schwimmen konnten. Das heißt: man lief auf weißem Sand bis zu den Knien durchs Wasser. Für eine 3 m Strecke ging mir das Wasser allerdings bis zum Kinn, dann wurde es wieder flacher bis zur Wade. Hier war eine Sandbank. Ein paar Pfähle standen herum, da konnte man ein paar Fische bewundern, die aber immer schnell in die Pflanzen huschten.
Unter „Karibik“ hatten wir uns etwas anderes vorgestellt. Trotz unserer ersten Enttäuschung machten wir dann aber das Beste aus unserem Rest-Urlaub. Das Essen-Angebot war einzigartig. Und es fiel mir als Diabetikerin nicht schwer, mich an die leckere Salat-Auswahl oder Fleisch- und Fisch-Gerichte zu halten. So hatte ich Zuckerwerte in erlaubten Bereichen, nur bei den süßen Kuchen musste ich Zurückhaltung üben. Gemütlich auf dem Balkon sitzend genossen wir nachmittags den Blick über die gepflegte Parkanlage und amüsierten uns über das Gewimmel im viel zu kleinen Pool. So war alles doch noch sehr schön.
In Cancun hat man eine 22 km lange Hotelzone gebaut. Ca. 5 km weiter von uns fing auch der Traumstrand an. Dorthin konnte man mit dem Bus fahren, und wir waren fast täglich unterwegs. Unter Lebensgefahr - versteht sich, denn die Busfahrer überholten sich gegenseitig, um sich die Kunden wegzuschnappen. Das war jedes mal ein Erlebnis.
Aus den geplanten langen Strandspaziergängen wurde es meist nichts, weil die Strände schräg ins Meer gingen, das war dann doch ziemlich anstrengend, darum tummelten wir uns lieber ein paar Mal in den Kaufcentern, die in der Hotelmeile die Kunden lockten. Alles war in amerikanischer Hand. Es gab auch einheimische Märkte in Down town, aber da wurde man so in die Buden gezogen, dass es schon keinen Spaß mehr machte. „Du Englisch, Spanisch, Schweden. Ah, Deutsch gut.“ Nach zwei Besuchen zog uns dort nichts mehr hin.
Ich hatte aber ein Erfolgserlebnis, denn ich lernte Schnorcheln.
Eines Tages segelten wir mit einem kleinen Katamaran zum Riff, um zu Schnorcheln. Ich wollte eigentlich nur zugucken und fotografieren. Aber dann traute ich mich doch und hüpfte mit Schwimmflossen und Taucherbrille 2-3 m tiefer ins Meer. „Hier kommt Daisy Duck...“ witzelte ich noch, obwohl ich große Angst vor dem Sprung ins Wasser hatte, aber dann war ich auch schon drin. Wir waren 6 Touristen. Uns wurde vorher gezeigt, wie man Taucherbrille und Schnorchel auf die Nase setzt.
Zuerst zappelte ich aufgeregt im Wasser herum. Aber dann sauste mein Mann an mir vorbei. Er hatte die Hände auf dem Rücken verschränkt. AHA, so machte man das! Ich legte stromlinienförmig meine Arme an die Seite und glitt dann wie Arielle die Meerjungfrau durchs kühle Nass. Dazu atmete ich tief ein und aus. Dreißig Meter unter mir war das Riff, also lauter Felsen und riesige Korallen. War das aufregend schön. Tiefblaue Fische tummelten sich, und da waren ja auch die schwarz-gelb-gestreiften Fische, diesmal viel größer als am Hotel-Steg. Und noch mehr Fische in allen Farben. Und plötzlich sah ich drei riesige Fische, die an einem über 1 m langen Fischkadaver herumfraßen. Vor lauter Schreck schluckte ich Wasser und stieg keuchend an die Wasseroberfläche, aber dann tauchte ich wieder neugierig hinab. Kopf unters Wasser, Hintern in die Höh.
Nach ca. 50 Minuten mussten wir wieder an Bord. So lange war ich noch nie im Wasser gewesen, nicht mal in der Badewanne. Ich war richtig stolz auf mich. Es war wirklich ein tolles Erlebnis.
Drei Tage später machten wir eine zweite Bootsfahrt. Mit einem größeren Katamaran ging es zu einer Insel, die man von weitem sah. Dort sollten wir Schnorcheln, Mittagessen und den Markt besuchen. Vor dem Frühstück gab es erst einmal einen tüchtigen Regenguss. Aber die Sonne kam wieder hervor. Um 9 Uhr ging es los, Segel wurden gesetzt. Der Himmel bewölkte sich wieder. Es regnete, die Wellen schlugen ziemlich hoch. Das eigentliche Schnorchelriff durften wir nicht anfahren. Darum ging es in ein weniger gefährliches Gebiet vor der Insel.
Diesmal war das Schnorcheln kein Genuss. Der Wellengang drückte uns in Richtung spitzer Felsen, die vor der Insel aus dem Wasser ragten, und als nach etwa 40 Minuten die Zeit endlich um war, und wir wieder aufs Boot klettern konnten, war ich ziemlich erschöpft.
Bei hohem Wellengang ging es zur Insel. Es goss noch immer in Strömen. Wir marschierten ans Ende des Ortes zu einem Restaurant. Auf den Marktbesuch verzichteten wir. Nach zwei Stunden konnten wir endlich wieder zurück an die Anlegestelle und aufs Boot. Diesmal wurden nur ein Vor- und Hintersegel hochgezogen. Dazu lief der Bootsmotor. Die meisten verkrochen sich unter Deck.
Mein Mann und ich standen hinter dem Kapitän und klammerten uns irgendwo fest. Nass waren wir ja sowieso schon. Weit und breit war nur noch tobendes Meer zu sehen. Vorne saßen zwei Familien mit fünf Kindern zwischen 7 und 12 Jahren, sie hielten sich krampfhaft am Mast fest. Wellen kamen von vorn und seitlich. Ein Baby lag neben uns in ein nasses Handtuch gehüllt im Arm seiner Mutter.
Ich kam mir vor wie auf der Titanic kurz vor dem Untergang. Das Volk jubelte und kreischte fröhlich, aus den Lautsprechern klang Rock und Pop. Kalt war es. Nur ein paar Schluck Tequila wärmten von Innen. Wie durch ein Wunder war dann endlich das Ufer wieder zu erkennen. Das Anlegemanöver gelang nur schwierig. Dann wankten wir von Bord.
Wir mussten am Hotelrestaurant vorbei, wo die Gäste den Regentag bei Tequila und anderen Flüssigkeiten verbracht hatten. Unser Erscheinen (wir sahen aus wie nasse Katzen) wurde mit schallendem Gelächter begrüßt. Nachher sollten wir unbedingt von unserem aufregenden Tag erzählen. Aber jetzt mussten wir erst einmal unter die heiße Dusche.
Mein Blutzucker zeigte an diesem Tag die Werte 104 / 225 und 116 mg/dl (5,8 / 12,5 / 6,4 mmol/l). Die Utensilientasche hatte ich zur Bootstour nicht mit genommen und darum ohne das Spritzen von Insulin zu Mittag gegessen. Doch vor dem Schlafengehen war ja mit 116 mg/dl (6,4 mmol/l) der normale Wert zu meiner Beruhigung wieder erreicht.
Urlaub machen ist nicht nur Erholung. Ausruhen kann sogar sehr anstrengend sein. Jede Bewegung bedeutete bei der ewigen Hitze einen Schweißausbruch. Oft lag ich mit anderen im seichten Wasser herum und klönte. Abends wurden vom Hotel Veranstaltungen, wie mexikanische Tänze und folkloristische Darbietungen, angeboten, die wir sehr genossen.
Irgendwann war jedoch der Urlaub vorbei und es hieß wieder Koffer packen. Auf dem Rückflug hatten wir in Cancun 4 Stunden Verspätung. Dadurch versäumten wir den Anschlussflug in München und mussten weitere 4 Stunden ausharren. Von der Fluggesellschaft bekamen wir ein Mittagessen spendiert, das war eine kleine Entschädigung für diese Strapazen. Doch auch die lange Wartezeit ging vorüber, die Maschine nach Berlin konnte endlich bestiegen werden.
Dann hatte uns der Alltag wieder. Im Rückblick war der Urlaub interessant und schön. Meine Zuckerwerte konnten sich, bis auf kleine Ausrutscher, sehen lassen.
Texte und Fotos:
Karin Pospich, Berlin
E-Mail: Karin.Pospich@t-online.de






