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Ballonfahrt

Auf in die Lüfte im Heißluftballon

Seit Jahren wollte mein Mann sich einen langgehegten Wunsch erfüllen und mit einem Ballon in die Lüfte steigen. Ich wollte lieber von unten zu sehen, die Welt von oben - nein Danke.

Gesagt, getan. Wir setzten uns eines Tages mit einem Ballonfahrt-Unternehmen in Verbindung und bald erhielten wir Post mit näheren Angeboten.

Wir waren verwirrt über die Vielzahl der Auswahl. Es gab Wochenendangebote, Winterfahrten und andere Vorschläge. Doch bei den Sonderveranstaltungen blieb unser Blick hängen. Vom 30. August bis 8. September 2002 sollten in Warstein im Sauerland anlässlich der "Warsteiner International Montgolfiade" über 100 Heißluftballone in die Luft steigen. Das stellten wir uns herrlich vor. An diesem wundervollen Spektakel wollte mein Mann teilnehmen, und ich kam bestimmt auch beim Zuschauen auf meine Kosten.

Luftaufnahme zahlreicher noch nicht gestarteter BallonsSofort wurde die Anmeldung per Mail getätigt, und bald erhielten wir die näheren Daten mitgeteilt, und man wollte auch mich gerne zur Mitfahrt überreden. Ich gestand meine Höhenangst, die mich sogar beim Fensterputzen auf der Leiter befiel. Dann erzählte ich noch, dass ich Diabetes hätte. "Ach," beruhigte mich der Pilot, "das Ballonfahren ist wirklich nicht schlimm, das wird Ihnen bestimmt gefallen. Im Ballon da haben Sie ja Boden unter den Füßen, und wenn Sie gut eingestellt sind, kann Ihnen mit dem Zucker auch nichts passieren." Mit diesen Worten hatte er mich vierfache Großmutter als Kundin geködert.

Bald war der ersehnte Zeitpunkt gekommen. Wir fuhren nach Warstein und nahmen in der Nähe Quartier. Den Wecker stellten wir am Vorabend unserer Luftfahrt auf 3 Uhr 30, damit wir am nächsten Morgen pünktlich zum Sonnenaufgang vor Ort waren. Mein Zucker lag , obwohl ich aufgeregt war, bei 106 mg/dl, das war ja sehr schön, und wir fuhren nach einem Frühstück von 3 BE im Stockfinstern los. Als wir den Startplatz der Ballons erreichten, wurde es langsam hell. Doch von einem Start in die Sonne konnte nicht die Rede sein, der Himmel war bewölkt. Vor einer langen Halle standen viele Leute, die wie wir dem Ballonabenteuer entgegenfieberten. Endlich war das Briefing der Piloten vorbei, bei dem diese über die Windverhältnisse informiert und mit Landkarten der Umgebung ausgestattet wurden. Nun wurden die einzelnen Gruppen eingeteilt. Per Handy fand ich in dem Gewimmel auch die Piloten unseres Unternehmens. Ein kleiner Transporter mit Anhänger stand bereit. Wir machten uns mit den beiden anderen Mitfahrern und den Piloten bekannt. Schnell wurden wir mit den Regeln der Ballonfahrt vertraut gemacht. Jetzt aber hieß es erst einmal arbeiten und nicht nur zugucken.

In dem Anhänger war ein Riesensack mit der Ballonhülle, dem Korb und den Gasflaschen.. Erst wurde der Korb auf die Wiese gezurrt und in jeder Ecke eine der Flaschen verstaut und an den Brenner angeschlossen, der auf Stangen befestigt vorher auf den Korb gehoben und verschraubt worden war. Um die Stangen kamen Lederbänder, damit wir uns ohne Verletzungsgefahr festhalten konnten. Der Korb wurde mit einem Halteseil erst einmal am Auto festgemacht. Anschließend hievten wir den Sack vom Anhänger. Wir zogen die Ballonhülle mühselig wie eine lange Schlange auf die Wiese, und kamen mächtig ins Schwitzen, denn die Stoffmassen des ungefähr 30 Meter hohen Ballons waren sehr schwer. Auf jeder Seite mühten wir uns ab, der Sache langsam eine runde Form zu geben. Dann kam der vorletzte Teil der Arbeit. Der Korb mit dem Brenner wurde in Schräglage gestellt und zischend füllte sich das Ungetüm. Endlich durften wir die Halteseile loslassen. Wir wurden noch über unser Verhalten während des Starts, der Ballonfahrt und der Landung aufgeklärt. Dann durften wir in den Korb steigen.

Ich hatte mir inzwischen Gedanken gemacht, wie ich wohl in den Korb, der mir bis zu den Oberarmen ging, hinein hüpfen sollte. Doch im Korb war an der Seite ein Loch, dort setzte ich einen Fuß rauf, hangelte mit dem anderen über den Korbrand. Schon war ich drinnen, und konnte mich in einer Ecke an einer der Stangen mit den Lederbändern festhalten. Wir waren sechs Leute im Ballon, es war ein bisschen eng. Aber endlich stiegen wir hoch in die Luft. Vorher hatte man aber noch das Seil vom Auto gelöst.

Ich hatte gar keine Angst, es war herrlich. Unter uns wurden die Warsteiner Festhallen und Veranstaltungszelte immer kleiner, auch andere Ballons fuhren schon vor uns, und es stiegen immer mehr Ballons in die Höhe. Bauernhäuser lagen unter uns, und grasende Kühe guckten verwundert nach oben. Weit hinten fuhr sogar ein riesiges Auto in der Luft umher und über einem Hügel erschien eine große gelbe Kuh. Sogar ein dickes Bierglas tauchte neben uns auf, um bald hinter Bäumen zu verschwinden.

Zwischendurch fasste unser Pilot nach oben, und betätigte den Brenner, aus dem mit lautem Zischen Flammen emporschlugen, um uns höher zu tragen. Unter uns konnten wir das Auto mit Anhänger sehen, in dem der zweite Pilot als "Verfolger" unserem Ballon nachfuhr.

Häuser erschienen unter uns. Die Bewohner standen auf ihren Balkonen und winkten uns zu, lachend riefen wir Grüße hinunter. Wir waren nun ungefähr eine Stunde in der Luft, als auf den Feldern unter uns schon die ersten Markierungskreuze zu erkennen waren. Einige Ballons setzten zur Landung an. Vor uns lag ein kleiner Wald, den überfuhren wir. Auf der kleinen Straße weit unten konnten wir wieder unser Auto sehen, das uns nach Warstein zurück fahren sollte. Die Piloten hielten zwischendurch knarrenden Funkkontakt.

Wir landeten mitten auf einem Stoppelfeld. Während ich mit dem Piloten im Korb blieb, um mit meinem Übergewicht den Korb in Schräglage zu halten, mussten die anderen hinaus klettern, und die Stoffmassen des Ballons langsam auf die Erde legen. Dann konnte auch ich heraus hüpfen und mit anfassen. Unter Gelächter schmissen wir uns alle auf die Ballonhülle, um die Luft hinaus zu drücken. Dann wurde aus dem Anhänger des inzwischen neben dem Feld geparkten Wagens der Riesensack gezogen. Die Stoffmassen wurden zusammengerollt, und Meter für Meter in dem Sack verstaut. Der Stoff war sehr schwer, und wir schwitzten wieder fürchterlich.

Endlich war der Sack gepackt und verschlossen und wurde mit dem Korb zum Anhänger gezogen und verstaut, das ging nur mit größter Kraftanstrengung. Wir versanken in den Ackerfurchen und lachten herzlich über unsere dreckigen Hosen und Schuhe.

Nach diesen Mühen kam aber die Belohnung für unsere Schwerstarbeit. Es wurde ein roter Teppich ausgerollt. Dann mussten wir in einer Reihe stehen, und der Pilot erzählte uns etwas über die Geschichte der Ballonfahrt. Anschließend mussten wir ihm nachsprechen:

"Wir schwören, dass wir, wenn wir einen Ballon landen sehen, zu Hilfe eilen und mit anpacken werden."

Besonders sollten wir ab nun niemals mehr etwas Fliegen sondern nur noch Fahren lassen, was wir amüsiert versprachen.

Dann erfolgte unsere Taufe. Wir durften auf dem Teppich knien. Von unserem Haar wurde ein Zipfelchen angezündet, und dann wurde uns Sekt über die brennende Haarspitze gekippt. Zum Schluss bekamen wir noch ein bisschen Gras auf den Kopf gelegt. Dazu wurde gesagt:

"Wir taufen Dich mit Feuer, denn das brauchen wir, um in die Lüfte zu kommen, mit Sand oder Gras, denn auf die Erde wollten wir zurück, mit Champagner, um die gelungene Landung zu feiern."

Und dann bekam ich den wohlklingenden Namen:

"Langsam im Morgengrauen aufsteigende Karin, zur Landung tragende Markgräfin von Warstein"

Mein Mann darf sich ab jetzt

"von Berlin hergereister Bernd, der fotografierende Baron von Warstein"

nennen.

Gruppe nach der BallonfahrtDiese Namen müssen wir uns merken, denn wenn wir irgendwo mit Ballonfahrern zusammen treffen, müssen wir diese Namen ohne Stocken aufsagen können. Ein Vergessen bedeutet, allen Ballonfahrern im Umkreis eine Lage zu spendieren - und das kann teuer werden.

Anschließend tranken wir noch jeder ein Glas Sekt, dann durften wir in das Auto steigen, und wurden nach Warstein zurückgefahren, wo wir noch ein Frühstück spendiert bekamen. Mein Wert war nach diesem Abenteuer auf 272 angestiegen, doch das konnte ich ja mühelos mit meinem schnellwirkenden Insulin korrigieren.

Insgesamt hatte die Fahrt mit Auf- und Abbauen fast 3 Stunden gedauert. Wir waren etwa 4 - 6 km mit dem Ballon gefahren. Doch es war ein wunderschönes Erlebnis und wir freuen uns schon

auf das nächste Mal, wenn wir wieder einmal sagen können:

"Glück ab und Gut Land"

Texte und Fotos:
Karin Pospich, Berlin
E-Mail: Karin.Pospich@t-online.de

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