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Sri Lanka

Neue Erlebnisse in Sri Lanka

Elefant am Strand mit Reiter bei  blauem HimmelAuch 1996 ging unsere Reise erneut nach Sri Lanka, denn wir hatten ja längst nicht alles von dieser schönen Insel im Indischen Ozean gesehen.

In Colombo bestiegen wir den auf uns wartenden Bus, wieder ging es nach Beruwela. Im Flugzeug hatten wir schon Strümpfe ausgezogen und dicke Pullis verstaut. Aber die Sonne meinte es gut und wir qualmten mächtig vor uns hin. Die Vorfreude machte alles ein bisschen wett. Endlich landeten wir in unserer kleinen Pension, wurden auf unser Zimmer geführt und fühlten uns nach einer kalten Dusche pudelwohl (warmes Wasser gibt es hier nur in der Küche). Danach liefen wir an den Strand, um zu gucken, ob das Meer noch da war.

Die Anfangstage verbrachten wir erst einmal mit Faulenzen. Am dritten Tag gingen wir ahnungslos den Strand entlang, da wurde mein Mann Bernd in einen "Schneiderladen" gezerrt. "Du kommen gucken, gucken kosten nix." Bernd bekam plötzlich einen Morgenmantel angezogen, innerhalb von 2 Minuten hatten wir diesen für ca. 35 DM gekauft, ich bekam ein Tuch zurecht geschnitten und sofort genäht. Alles gab es für 1300 Rupien. Wir hatten nur 1500, man konnte natürlich nicht wechseln. "200 Rupien später zurück - vielleicht morgen," erklärte man uns.

"Du brauchen auch Tischdecke?" Mir wurde eine weiße Baumwolldecke mit gestickten Elefantenmotiven vor die Nase gehalten. "Ich brauche keine Decke." "Gucken, schöne Arbeit, ich guter Schneider." "Ich brauche keine Decke." "Gucken, gucken kostet nichts. Gucken, schöne Arbeit." "ICH brauche keine Decke." Aber wir waren schon im Spinnennetz gefangen. "Ich brauche keine Decke, ist zu klein." "Wie groß soll sein?" "1,20 m." Jetzt hatten sie mich. "Kann ich morgen machen, morgen fertig." "Halt, was kostet denn so was?" "3500 Rupien." Nun sind 100 Rupien 3,50 DM. Doch nicht mit mir.

"Was du zahlen? "Höchstens 1000 Rupien." (Ich blöde Kuh, das waren 35 DM). "Du geben 1200 Rupien." Ich schüttelte den Kopf und sagte: "Nein, ich brauche keine Decke, ich nicht kaufen." Dann drehten wir uns um und gingen total erschöpft in das Hotel, um unsere unfreiwilligen Traumkäufe - Morgenrock und Tuch - auf das Zimmer zu bringen.

Nach 2 Tagen wurden wir wieder am Strand abgefangen. "Deine Decke morgen fertig. 200 Rupien morgen zurück, noch nicht können wechseln." Am nächsten Tag saßen wir im Hotelgarten, da kam der Schneider angerast: "Decke fertig, ich kann bringen." Wir hatten gerade etwas anderes vor, darum brüllte Bernd genervt: "Wir haben jetzt keine Zeit für deine Decke, später, später, troll dich."

Nach zwei Stunden ging ich dann mit 800 Rupien die Decke abholen. "Warum dein Mann so böse?" Der arme Schneider war noch ganz fassungslos, denn er war schwer in seiner Ehre gekränkt. Ich murmelte eine Entschuldigung, tauschte Rupien gegen Decke und machte dann, dass ich wegkam.

Um diese Bude machten wir dann meist einen großen Bogen, aber immer wieder wurde uns aufgelauert. "Du kaufen bei meinem Bruder - kommen auch gucken bei mir. Ich auch gute, sehr gute Schneider. Kommen gucken, gucken kostet nichts." So ging das jedes Mal, wo immer man den Strand entlang lief. Jeder wollte etwas verkaufen. Aber meist blieben wir standhaft und kauften nichts.

Der "Schneider" hatte uns bald verziehen und gab uns wieder die Hand. "Schönes Wetter heute." Als wir fragten: "Na, wie geht's?" kam mit tiefen Seufzern die Antwort: "Schleeecht, nicht Arbeit, nicht Geld. Sooo schlecht."

Jedes Mal, wenn man spazieren ging, lief ein Pulk Einheimischer hinter einem her. "Hallo, wie geht's?" "Wie lange schon in Sri Lanka?" "Ah, zweites Mal hier, gut." "Ich zeigen euch Museum, gute Edelsteine, billig." "Wir brauchen keine Edelsteine." "Kommen gucken, gucken kostet nichts."

Oder jemand riss ein Blatt vom Gestrüpp, wir mussten daran riechen, und der Name wurde erklärt. Oder ich bekam eine Tempelblume für mein Décolleté, die konnte ich mir in den Badeanzug stecken. Die Menschen in Sri Lanka sind wirklich alle sehr nett, herzlich und unaufdringlich.

Anfangs hatten wir noch Kugelschreiber und Bonbons, die wir verteilen konnten. Aber sobald man in der Bauchtasche wühlte, war man plötzlich von einem ganzen "Kindergarten" umgeben. Oder Erwachsene sagten: "Ich habe auch 3 Kinder, ich brauche auch Bonbons." Keine Ahnung, wo die Menschen immer herkamen. Jedenfalls nahmen wir dann nie mehr etwas mit und zuckten nur immer die Schultern: "Nix Bonbon, nix Pen, nix Rupien." "Egal, wir nehmen auch Deutsch Mark."

Im ersten Jahr waren uns diese ewigen Belästigungen gar nicht aufgefallen.

Schon in den ersten Tagen war ich wieder total von Mücken zerstochen. Ich hatte zwar verschiedene sehr teure Insektensprays, die mir vom Tropeninstitut empfohlen worden waren, mit, aber die Viecher hielten sich wahrscheinlich den Bauch vor Lachen, leckten sich bestimmt vor Wonne die stacheligen Schnuten und flogen im Sturzflug ihr Opfer an, nämlich mich.

Eines Tages liefen wir die zweispurige Landstraße spazieren. Am Straßenrand fraßen gemütlich magere Kühe Abfall und spärliche Gräser. Hunde lagen auf dem Weg und Autos fuhren im Bogen mit 180 Sachen um alle Hindernisse. An vorbei fahrenden Bussen hingen die Menschen wie Trauben an den Türen, so dass mancher Bus Schräglage hatte. Um uns herum Hupkonzerte. Fahrräder fuhren zu dritt nebeneinander, wurden mörderisch überholt, obwohl auf der Gegenfahrbahn ebenfalls zum Überholen angesetzt wurde. Wir waren durch den Linksverkehr sehr verwirrt, unsere Herzen hüpften vor Aufregung hoch und runter, aber einen Unfall sahen wir nie.

Wir kamen an einem Arztschild vorbei. "Hier gehe ich mal rein," meinte ich, "und zeige dem Doc meine Mückenstiche." Bernd wartete vor dem Arzthaus. Ich spazierte drinnen hinter einen Vorhang und zeigte meine zerkratzten Beine. Der Doktor sprach nur Englisch, gab mir eine Cortisonsalbe und zählte eine Drei-Tages-Ration Pillen in drei verschiedene Tüten. Weiße, rosa, gelbe Pillen sollte ich morgens, mittags, abends nehmen. Die gelben und rosa Dinger auch zusätzlich nachts. Weil wir am nächsten Tag eine Tour mit Übernachtung ins Inland machen wollten, fing ich mit der Pilleneinnahme schon am Abend an. Doch meine Diabetes-Tabletten musste ich ja ebenfalls nehmen, hoffentlich ging das gut.

Nachts dachte ich, ich stehe im Bett. Alles drehte und bewegte sich. Mein Herz jagte fürchterlich. Es war schrecklich. Die restlichen Pillen nahm ich nicht mehr, sondern verstaute sie im Koffer.

Am nächsten Morgen ging es mir Gott sei Dank besser, und ich konnte an der Tempel-Besichtigungsfahrt teilnehmen. Mit einem Bus ging es erst nach Dambulla. Wir mussten ca. 170 km hinter uns bringen und rechneten mit einer Fahrt von ca. 7 Stunden. Es ging durch kleine Orte, Menschen winkten uns freundlich zu - wir genossen den Ausblick.

In Fels gebauter Tempel von DambullaWir fuhren zu einem Berg, auf dem 2000 Jahre alte Höhlentempel mit unzähligen Buddha-Statuen und sehr gut erhaltenen Wandmalereien zu besichtigen waren. Bäume säumten den Weg, in den Wipfeln tummelten sich rotgesichtige Affen.

Das Hotel stammte aus der Kolonialzeit, über den Betten in den sehr sauberen Zimmern hingen Moskitonetze. An der Decke surrte ein Ventilator.

Am nächsten Morgen ging es nach Sigiriya. Dort befindet sich auf einem riesigen 200 m hohen Monolithen, das ist ein riesiger abgeflachter Felsbrocken, eine Burganlage. Vor ca. 2000 Jahren hatte hier ein König seine Festung errichten lassen. Sein Stiefsohn neidete ihm diese mit Lustgärten, Badeanstalt und vor allen Dingen vor Feinden sichere Anlage. Er ließ den Stiefvater lebendig einmauern und zog selbst in die Festung ein. Doch nach ein paar Jahren wurde der König von seinem leiblichen Sohn gerächt, der den Berg belagerte. Der Stiefsohn stürzte sich von luftiger Höhe herab und beging so Selbstmord.

Vor Jahren war die Besichtigung der Anlage noch Nervenkitzel pur, denn nur ein schmaler Weg, gesichert durch ein dünnes Halteseil führte hinauf. Doch 1986 wurden die Wege befestigt, sie sind zwar noch steil, aber ein Geländer sichert die 1500 Stufen nach oben.

Eine Wendeltreppe führte uns an den berühmten "Wolkenmädchen" vorbei. Das ist eine Felsenmalerei von üppigen barbusigen Mädchen. Auf der Hälfte des Weges konnte man auch verschnaufen und etwas zu Trinken kaufen. Der herrliche Blick aus dieser Höhe auf das Bergland und die Reisfelder ringsum ließ uns die Strapaze des Aufstiegs vergessen.

Durch riesige, in den Fels gehauene Löwenpranken führte eine Steintreppe hoch. Früher war hier das Maul eines riesigen Ziegelsteinlöwenkopfes der Eingang zur Festung, doch im Laufe der Jahrtausende war alles verwittert.

Auf der Rückfahrt sahen wir am Ende einer größeren Stadt an einem Baum riesige Trauben von Flughunden hängen.

Ein Tuktuk ist an den Seiten offen, hat aber ein DachNun war wieder Sonnenbaden angesagt. Ab und zu fuhren wir aber auch mit einem Tuktuk, dem landesüblichen Fortbewegungsmittel auf drei Rädern herum. Oft hörten wir das Gejammer der Tuktuk-Fahrer.: "Ach, alles sooo teuer, soo aarm - mussen noch 200 Rupies heute verdienen. Frau nicht Arbeit, 2 Kinder."

Einmal liefen wir zur Abwechslung wieder die Straße entlang. Ein Junge mit Fahrrad begleitete uns. "Ich lerne Deutsch aus dem Radio. Jeden Abend um 6 Uhr höre ich die Deutsche Welle." Er deklamierte breit lachend: "Lügen haben kurze Beine, hütet euch vor dem schwarzen Mann." Dann sagte ich mit ihm mitten in Sri Lanka die Glocke auf: "Festgemauert in der Erden..." Wir amüsierten uns königlich. Unser neuer "Freund" sagte: "Was zahlt ihr für ein Tuktuk?" Wir antworteten verblüfft: "150 Rupies." Da beugte er sich grinsend vor: "Geheimtipp, wir zahlen 40 Rupies." Dann verschwand er, ohne die Hand nach Belohnung auszustrecken.

In den Orten sehen die Straßen leider meist schmuddelig aus. Die Räume in den Geschäften sind sauber, aber alles wird vor die Türen gekehrt oder geschmissen, dort bleibt es liegen und tritt sich fest. Wird ja alles wieder zu Erde, das ist die Vorstellung der hier lebenden Menschen, die leider nicht den Plastikmüll bedenken, der Dank der westlichen Errungenschaften auch hier Einzug gehalten hat.

Eines Abends saßen wir mit anderen Gästen noch am Strand, da kam kurz vor Mitternacht aus dem Meer ein riesiger Schatten. Eine Riesenschildkröte kroch bis an den Rand der Liegen und schaufelte ein großes Loch. Alle hielten den Atem an. Die Schildkröte ließ sich durch die immer mehr werdenden Zuschauer nicht stören. Sie legte innerhalb kurzer Zeit ungefähr 150 Eier, dabei schnaufte und stöhnte sie erbärmlich. Dann schaufelte sie ihr Gelege zu, kroch ins Meer zurück und schwamm davon.

Schildkröteneier sind sehr begehrt. Sie werden eingesammelt und zur Schildkrötenfarm zur Aufzucht gebracht. Je Ei gibt es für den Finder 5 Rupies. Dieses Geld war für die Einheimischen ein guter Nebenverdienst, darum wurden die Eier sofort von Umstehenden ausgegraben.

Irgendwann war auch dieser Urlaub zu Ende. Wieder ging es ans Kofferpacken. Für unsere zahlreichen Andenkenkäufe hatten wir eine weitere Reisetasche kaufen müssen. Mit einem Bus ging es wieder die 3 Stunden zurück nach Colombo. Nach lästigen Kontrollen saßen wir endlich im Flugzeug und freuten uns auf unser Zuhause.

Nach 14 Stunden hatten wir endlich Berlin erreicht. Gestern noch 38 Grad und warmes Meer - nun sahen wir uns nur trostlosem feuchten kalten Winterwetter gegenüber. Im Taxi fuhren wir nach Hause, dort ist es ja bekanntlich doch am Schönsten.

Hohe Palmen, feiner Sand, Meer und blauerMeinen Diabetes hatte ich durch das gute Angebot in den Restaurants gut im Griff gehabt, nur meine Beine waren total zerstochen und zerkratzt, die Stiche juckten fürchterlich, darum fuhr ich am nächsten Tag zum Tropeninstitut, denn ich wollte mich doch lieber untersuchen lassen. Gott sei Dank war der Befund negativ, ich hatte nur eine Allergie gegen Sandflöhe entwickelt, die sich am Strand von Sri Lanka getummelt hatten.

Jedem Urlauber kann ich nur empfehlen, vorher Erkundigungen im Tropeninstitut oder wenigstens beim Arzt einzuholen, wenn die Reise in exotische Länder gehen soll. Wir hatten zwar alle Impfungen machen lassen, die für unseren Aufenthalt notwendig waren, aber von Sandflöhen hatten wir noch nie etwas gehört.

Da unser Strand sich wie Puderzucker anfühlte, trugen wir auch keine Badelatschen, die besonders für Diabetiker doch immer wieder empfohlen werden. Bei nächsten Reisen werde ich mich ab jetzt besser an gutgemeinte Ratschläge halten, denn ich hatte noch ungefähr drei Wochen unter meinen Sandflohbissen zu leiden.

Doch, im nachhinein war unser Urlaub wunderschön. Wie gern blättere ich in unseren Fotoalben. Palmen, Strand, Wellen die ans Ufer rollen - dazu die herrlichen Sonnenuntergänge - das sind Eindrücke, die man nie vergessen kann.

Texte und Fotos:
Karin Pospich, Berlin
E-Mail: Karin.Pospich@t-online.de

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