China : Superlative und Gegensätze - Organisatorisches zur Reise
Von Mitte Oktober bis Mitte November 2006 machte ich mit zwei Freundinnen nach bestandenem Examen in China Urlaub.
Wir reisten zunächst nach Peking, anschließend nach Hongkong, Macau, Yangshuo (bei Guilin), waren auf dem Jangtse (Chongqing bis Yichang) und zum Abschluss in Shanghai. Die Reise war ein tolles Erlebnis! Wir wollten gerne ein Land kennen lernen, dessen Kultur vermutlich sehr verschieden zu dem ist, was wir gewohnt sind. Diese Erwartung hat sich erfüllt und daher war die Reise sehr spannend.

Wir konnten uns zurecht finden (auch ohne Mandarin zu sprechen), haben keine Situation erlebt, in der wir uns bedroht o. ä. gefühlt haben, trotzdem sind viele Dinge anders und gewöhnungsbedürftig (z. B. die Essgewohnheiten, das Geschäftemachen oder der Umgang mit Ausländern).

Faszinierend ist das Land an sich! Wir konnten nicht alles gutheißen und verstehen, aber Superlative und Gegensätze zwischen dem z. T. sehr einfachen Landleben in Yangshuo, subtropischer Pflanzenwelt in der Nähe von Hongkong und den großen, modernen und versmogten Großstädten machen eine Reise dorthin interessant, machen aber auch nachdenklich.
Ich werde im Weiteren mehr organisatorische Erfahrungen als einzelne Sehenswürdigkeiten beschreiben.
Vorbereitung
Geplant und gebucht haben wir alles selber bzw. mit Hilfe der Reiseführer „Lonely Planet China“ und „National Geographic China“. Unser Visum organisierten wir über www.visumdirekt.de. Bei meiner Diabetologin habe ich mich in einer Reiseimpfberatung über nötige Impfungen und gesundheitliche Vorsichtsmaßnahmen informiert.
Gut drei Monate vor Reisebeginn fanden erste Impfungen statt. Zum Zeitpunkt
der Reise hatte ich eine Insulinpumpe (Typ 1 Diabetes).
Ich wurde bei der Organisation IAMAT Mitglied (kostenlos) und erhielt so per Post eine Liste englischsprachiger Ärzte in China (www.iamat.org); zusätzlich übersetzte eine Bekannte mir die ärztliche Bescheinigung und einige Notfallsätze ins Chinesische (z. B. „Bitte geben Sie mir Zucker oder etwas zuckerhaltiges zu essen.“) Darüber hinaus habe ich mir die Adresse der Pumpenfirma vor Ort besorgt, ebenso die der Insulinfirma und die Handelsnamen des Insulins und des Basalinsulins in China, falls ich im Notfall auf die ICT umsteigen muss.
Wie allgemein empfohlen, nahm ich an Zubehör und Insulin jeweils die doppelte Menge mit; neben Pumpenzubehör auch Pens und Einmalspritzen, falls die Pumpe kaputt geht. Das Insulin habe ich während der vier Wochen in einer Kühltasche von frio (www.frio.ws) aufbewahrt (diese Kühltaschen werden mit Wasser aktiviert und kühlen durch Verdunstung).
Um beim Fliegen keine Probleme zu bekommen, rief ich bei der Fluggesellschaft zwei Wochen vor dem Abflug an und musste ganz genaue Mengenangaben zum Insulin und zu im Handgepäck mitgeführten Nadeln machen. Dies tat ich gewissenhaft und kam auf eine Anzahl von ca. 50 Nadeln (Nadeln an Kathetern, Pen- Kanülen, Lanzetten für die Stechhilfe). Mir wurde dann gesagt, dass ich offiziell im Handgepäck nur das mitführen dürfe, was ich während des Fluges bräuchte.

Der Hinweis, dass ich mehr mitnehmen müsse, da ich vier Wochen dort bleibe, einiges wegen der Temperaturen nicht in den Frachtraum kann und ich auch eine Reservemenge im Handgepäck mitführen muss, falls das Gepäck verloren geht, führte nur erneut zu dem Hinweis, dass ich das offiziell nicht darf und dass die Fluggesellschaft mich darauf hinzuweisen hat. Was dann der Sicherheits- Check am Flughafen für in Ordnung befindet kann davon abweichen. Und so war es dann auch, beim Check-In in Düsseldorf gab es keine Probleme; ich konnte mein Handgepäck so mitnehmen, wie es war. Beim Rückflug gestaltete sich das komplizierter, dazu weiter unten Genaueres.
Während der Reise
Übernachtet haben wir in Hostels und kleinen Hotels. Um die großen Entfernungen zwischen den Städten zu bewältigen, sind wir innerhalb Chinas noch drei mal geflogen und einmal mit einem Nachtbus gefahren.
In den Hostels gab es immer Angestellte, deren Englisch so gut war, dass man sich verständigen konnte. Auf der Straße und in Restaurants halfen Menükarten in Englisch oder mit Fotos, Sprachführer, Karten und Gesten weiter.
Durch unser europäisches Aussehen hatten wir z. T. das Gefühl,
eine Attraktion zu sein. Viele schauten einen im Vorbeigehen neugierig an,
blieben stehen, starrten, baten darum Fotos machen zu dürfen oder versuchten
heimlich Fotos zu machen. Auf der anderen Seite gab es aber auch Menschen,
die uns angeschaut haben und dann ihre Hilfe anboten.
Westliche Touristen gelten als reich bzw. sind es im Vergleich zu allgemeinen chinesischen Verhältnissen auch. Daher überrascht es nicht, dass überhöhte Preise Touristen gegenüber üblich sind. In Souvenirläden/-ständen entspricht der zuerst genannte Preis ca. dem dreifachen, was am Ende bezahlt werden kann. Handeln ist ein Muss, aber der Beginn des Verhandelns bekundet ein ernsthaftes Kaufinteresse. Weiß man, dass auf einem zu hohen Preis bestanden wird, hilft es, sich enttäuscht abzuwenden, weiterzugehen, als sei man bei dem Preis nicht mehr interessiert. Viele Male haben wir es hinbekommen, dass wir nicht „übers Ohr“ gehauen wurden, aber es ist auch uns passiert, dass wir – wie wir meist später erfuhren – zu viel bezahlt haben.
In China werden andere Handzeichen benutzt um zu zählen. Bei Bestellungen oder Preisangaben kann es daher zu Missverständnissen kommen.
Auf dieser Seite: (http://de.wikipedia.org/wiki/Chinesische_Zahlen) sind Abbildungen für das zählen bis zehn zu finden.
Bei den Mahlzeiten waren die Kohlenhydrate für mich meist gut abzuschätzen, da viele Gerichte getrennt sind. D. h. man bestellt für eine Mahlzeit mit mehreren Leuten z. B. ein Reis-, ein Fleisch-, ein Fischgericht und mehrere Gemüse, stellt alles in die Mitte und jeder nimmt sich.
In China gilt man als reich, wenn man viel Essen bestellt und stehen lässt.
Daher war es nicht unhöflich Gerichte, die für unseren Geschmack
ungenießbar waren, stehen zu lassen.
In den vier Wochen hatten wir keine Probleme mit Durchfall oder Übelkeit. Gemieden haben wir Nachtmärkte und wie empfohlen haben wir kein Leitungswasser getrunken und es auch nicht zum Zähneputzen benutzt.
Auf den Inlandsflügen hatte ich keine Probleme mit der Pumpe. Ich habe sie beim Sicherheits-Check immer kurz abgelegt. Einmal wurde sie genauer angesehen, aber nie brauchte ich die ärztliche Bescheinigung vorlegen. Schwierigkeiten gab es, wie oben bereits erwähnt, beim Rückflug. Das Bodenpersonal der Fluggesellschaft (Air France) in China war vermutlich uninformiert und unsicher. Obwohl ich vor Reisebeginn alles angemeldet hatte (s. o.) und mir bestätigt wurde, dass alles im Computer erfasst sei, und obwohl ich die ärztliche Bescheinigung vorlegte, musste erst noch telefoniert werden. Dann wurde ich gefragt, warum ich denn jetzt weniger Nadeln dabei hätte als, im Computer vermerkt (der Hinweis, dass ich in vier Wochen Nadeln verbraucht habe, überzeugte nicht). Eine gute Stunde stand ich am Check-In Schalter, ohne wirkliche Information und ohne dass ich etwas tun konnte. Schließlich wurde mir gesagt, dass ich auf die Crew warten solle, die dann ihr OK geben müsse. Als die eintraf und ich mit dem Kapitän sprechen sollte, mit den Nerven schon fertig war und z. T. unter Tränen erklärte, was ich dabei habe und die Zweitausfertigung der ärztlichen Bescheinigung zeigte, war sehr schnell klar, das alle Aufregung unnötig war. Es war alles kein Problem. Auf Französisch haben sich Kapitän und erste Stewardess gefragt, was denn das Problem des Bodenpersonals sei, ich hätte doch alles dabei, was ich bräuchte. Zeitlich war es dann etwas knapp, durch die aufwändige chinesische Passkontrolle und durch den Sicherheits-Check zu kommen, aber mir wurde versichert: „Wir fliegen nicht ohne Sie, keine Angst!“ Ein stressiges, aber letztendlich gutes Ende eines erlebnisreichen und empfehlenswerten Urlaubs!!
Texte und Fotos:
Lydia Athmer
E-Mail: hydeli@web.de






