Auf Safari in Tansania
Bekannte
hatten uns begeistert von ihrem Afrika-Urlaub vorgeschwärmt, darum buchten
wir für den Winter 2002 eine Woche Safari in Tansania mit anschließendem
Badeaufenthalt in Kenia.
Unsere Impfpässe waren in Ordnung, Malaria-Prophylaxe gehörte zum Reisegepäck, und natürlich hatte ich als intensiviert eingestellte Diabetikerin alle erforderlichen Dinge in ausreichender Menge in meinem Handgepäck. Dazu gehörte auch die vom Arzt ausgefüllte Ärztliche Bescheinigung in vielen Sprachen, die ich unter www.ddb-lv-bln.de ausgedruckt hatte. Das letztere war unbedingt notwendig, um bei der Flughafenkontrolle die Medikamente und Spritz-Utensilien erklären zu können.
Ab
Flughafen Berlin-Schönefeld ging es mit 2 ½ Stunden Aufenthalt
in Mailand endlich nach Mombasa. Insgesamt waren wir ca. 12 Stunden unterwegs,
die langen Flugzeiten sind das einzige Übel, das eventuell von exotischen
Reisen abschrecken könnte.
Die Fahrt mit dem Zubringerbus zum Hotel brachte uns den ersten Kulturschock. Es ging an Wellblechhütten vorbei. Die Straßenverhältnisse waren für unsere verwöhnten europäischen Augen sehr ungewöhnlich. Neben den Rinnsteinen sammelte sich der Dreck. Doch überall lachten und winkten uns die Leute freundlich zu.
Langsam wurde die Gegend wohlhabender und bald hatten wir unsere gepflegte Ferien-Anlage im Dorf Shanzu erreicht. Hier hatten wir eine Nacht Aufenthalt, denn morgen sollte die Safari losgehen.
Nach dem Kleiderwechseln liefen wir zum Meer, wo wir schon von geschäftstüchtigen Einheimischen erwartet wurden. „Mama, Papa“, tönte es von allen Seiten. Sie erkannten uns Neulinge an der blassen Hautfarbe und wichen uns nicht von der Seite. „Sie machen Safari? Gut. Aber, wenn Sie wiederkommen, müssen Sie unbedingt mit meinem Glasboot fahren.“ „Jambo (guten Tag), Mama, ich zeige dir mein Dorf“, rief ein anderer. Und ein selbsternannter Meeresbiologe wollte uns unbedingt bei Ebbe durch das Watt führen.
Wir verzogen uns unter die Palmen am wunderschönen Hotel-Pool. Der
gebotene Luxus beschämte uns ein wenig.
Am nächsten Morgen ging es zum kleinen Safari-Flughafen. Wieder hieß es warten, denn mit den Zeiten nahm man es nicht so genau. „Pole, Pole“ (langsam, langsam) war die Devise. Wir bekamen Getränke spendiert und beobachteten Affen, die sich in den nahen Palmen tummelten. Endlich landete unser kleines Flugzeug. Unsere Safari-Vorgänger stiegen aus, die Maschine wurde aufgetankt und dann hoben wir ab und flogen zum Busch-Flughafen in der Nähe der Grenzstadt Namanga.
Wolken warfen ihre Schatten auf die öde Landschaft unter uns. Winzig klein erkannten wir die Krals der Eingeborenen. Endlich sahen wir die schneebedeckte Spitze des Kilimandscharo, dem höchsten Berg Afrikas. Dann setzten wir auch schon auf einem Acker zur Landung an.
Jeeps näherten sich. Wieder stiegen Touristen aus und liefen zu unserem Flugzeug, während unsere Gruppen sich in den Jeeps verteilten. Voller Erwartung ging es los.
Märkte säumten den Wegrand. Auf kärglichem Boden standen groß gewachsen und stolz Massai neben ihren Viehherden. Sie boten einen wunderschönen Anblick mit ihrem Kopfschmuck, den bemalten Lederschilden und den reichen Verzierungen an ihren Speeren und Schwertern.
In mörderischer Fahrt erreichten wir den Eingang vom Tarangire Nationalpark. Wir waren überrascht. Die Steppe ringsum wimmelte von Störchen. Giraffen trabten im Eilschritt an uns vorbei. Auf ihren langen Hälsen saßen Madenhacker, die kleinen Vögel, die Wildtiere von lästigen Parasiten befreien. Und endlich sahen wir auch die ersten riesigen Elefanten.
Es war ein ergreifendes Gefühl, alle diese Tiere in Freiheit zu erleben. Klippschliefer lugten aus ihren Schlupflöchern im Felsgestein, Wapitis und Antilopen trabten an uns vorbei. Uns gingen die Augen über.
Zu allem Glück sahen wir einen wunderschönen Sonnenuntergang,
bevor die erste Lodge vor uns erschien. Steif erhoben wir uns von unseren
Plätzen und stiegen aus dem Jeep. Wir waren überrascht. Unerwarteter
Luxus empfing uns.
Nach einem sehr guten Essen im mit Schnitzereien reich geschmückten Hauptgebäude verzogen wir uns in unseren komfortablen Bungalow. Ein Blick aus dem Fenster in die Dunkelheit versprach Natur pur.
Am nächsten Morgen ging es dann mit dem Jeep weiter. Schon bald sahen wir Elefanten, Dik-Diks, Perlhühner, Agamen und die kleinen Klippschliefer. Alle diese Geschöpfe, die wir nur aus Büchern oder dem Zoo kannten, sahen wir in Natura vor uns.
Riesige Bäume säumten unseren Weg, an denen Früchte wie riesige
Weißwürste an langen dünnen Stielen von den Ästen hingen.
Endlich sah ich auch einen Affenbrotbaum, der gewaltig am Wegesrand aufragte.
Das sehr leichte Holz dieser Bäume wird von den Eingeborenen zur Herstellung
von Kanus benutzt. Sie sind fast rindenlos, denn die Elefanten reiben sich
an ihnen den Rücken und verspeisen die Baumrinde als Delikatesse. Wir
verstanden jetzt, warum die afrikanischen Farmer nicht begeistert sind, wenn
Elefantenherden ihre Felder und Baumbestände verwüsten.
Wir
durchfuhren ausgetrocknete Flussläufe. Baumwälder wechselten mit
Savannengras. Plötzlich standen Elefanten mit drohend erhobenen Ohren
im Gebüsch. Unser Fahrer fuhr überraschend rückwärts und
wir purzelten durcheinander. Auf jeder Straßenseite sicherten riesige
Elefantenbullen trompetend den Weg. Elefantenbabys tapsten im Schutze ihrer
Mütter auf die andere Wegseite. Wir verfolgten begeistert, aber auch
etwas ängstlich, dieses Schauspiel.
Endlich war die Fahrspur wieder frei und wir setzten die Erlebnistour fort. Vorbei ging es an Büffeln, Warzenschweinen, Gnuherden und Zebras. Unser nächstes Ziel war der Ngorongoro-Krater. Bis zur Dunkelheit musste die nächste Lodge erreicht werden, wo uns wieder ungeahnter Luxus erwartete. Nach einem wunderbaren Abendessen sangen die Angestellten Folklore-Lieder. Die Stimmung war einzigartig.
Am
nächsten Tag fuhren wir auf holpriger Straße zum Nogorongoro-Krater
hinunter. Uns begegneten wieder Büffelherden, Gnus und Zebras. Auch Hyänen
und Warzenschweine waren zu sehen. In einem Wassertümpel tummelten sich
Flusspferde. Kronenkraniche stolzierten durchs Gras. Adler zogen ihre Kreise
am Himmel, Kuhreiher saßen in Sträuchern. Jetzt hatten wir den
Soda-See, den Lake Magadi mit seinen Flamingos erreicht.
Welch
ein Erlebnis. Die rosa Vögel schritten in großer Anzahl majestätisch
im seichten Sodawasser dahin. Möwen und Strandläufer liefen hin
und her. Wir waren begeistert.
Ein paar Minuten später sahen wir ein neugeborenes Zebra-Baby. Mit wackeligen Beinen drängte es sich dicht an seine Zebra-Mutter. Welch rührender Anblick. In der Ferne schlich eine Hyäne durchs Steppengras.
Weiter ging es. Unser Fahrer hatte über Funk von seinen Kollegen einen
Tipp bekommen. 17 Jeeps standen an einer Straße. Unser Fahrer drängte
unseren Wagen geschickt an die günstigste Stelle. Und dann sahen wir
ein Löwenpärchen ca. 3 Meter von uns entfernt direkt neben dem Fahrweg.
Gebannt zückten wir die Kameras. Gelangweilt blickte Simba um sich und
erhob sich gemächlich. Wir hielten den Atem an. Der Löwe vollzog
vor unseren Augen der Akt der Fortpflanzung, um nach zwei oder drei Minuten
ins Gras zu sinken. Zärtlich leckte er sein Weibchen, welches verzückt
mit geschlossenen Augen alles über sich ergehen ließ.
Neue Jeeps hielten, und wir fuhren weiter.
In der Ferne entdeckten wir zwei Nashörner. Riesige Staubwolken zeigten überall
den Besuch des Menschen in diesem Nationalpark. Wir näherten uns dem
Kraterrand am anderen Ende des Parks. Im Auto nahmen wir dann unser Picknick
ein. Jeder erhielt täglich ein Lunchpaket mit Brötchen, Schinken
und Käse. Dazu gab es noch 2 kleine Bananen und eine Pizza-Ecke. Affen
näherten sich, doch das Füttern war streng verboten und daran hielten
wir uns auch.
Nach dem Lunch fuhren wir schwankend nach oben zum Kraterrand. Jetzt ging es in die Serengeti, uns bekannt durch den Tierarzt Prof. Dr. Bernhard Grzimek, der sich mit seinem Sohn Michael für die Erhaltung gefährdeter Tierarten einsetzte und mit Büchern und Filmen ein Lebenswerk schuf. Zwei Denkmäler erinnern an sie.
Riesige Kakteen ragten überall empor. Bald erreichten wir die Serengeti-Lodge. Wieder angenehm überrascht sprangen wir erst einmal in den Pool. Beim Abendessen wurde den Touristen wieder ein Ständchen gebracht. Dann verzogen wir uns ins Bett, dann am nächsten Morgen sollte es auf Frühpirsch gehen.
Um 6 Uhr ging die Fahrt schon los. Im Scheinwerferlicht lief aufgeregt eine Antilope vor uns und verschwand dann im Gebüsch. Sterne leuchteten am Himmel. Aber langsam wurde es heller. Wir blickten gespannt nach draußen. Elefantenherden zogen an uns vorbei. Ringsum ragten Termitenhügel in die Landschaft. Vor uns stieg ein Heißluftballon in die Höhe, ein zweiter folgte kurz darauf.
Unser Fahrer fuhr zu einigen Wasserlöchern. Aber an diesem Morgen konnten wir nicht viele Tiere entdecken, darum fuhren wir zum Frühstück in die Lodge zurück und vergnügten uns im Pool.
Nachmittags
fuhren wir wieder los. Adler guckten von Bäumen auf uns herab. Im Steppengras
bewegte sich etwas. Gebannt starrten wir nach draußen. Ein Gepard lief
mit klagenden Schreien suchend an uns vorüber. Sicherlich hatte er sein
Junges verloren.
Plötzlich erschienen Geier am Himmel. Links und rechts grasten Gnus und Zebras. Uns erwartete ein atemberaubendes Schauspiel. Ein verendetes Gnu lag im Gras. Zänkisch hackten 24 Geier am Kadaver herum. Hyänen lauerten im Hintergrund. Wir schossen natürlich Fotos, doch dann ging es weiter, der Anblick war doch zu unappetitlich. Doch uns erwartete schon wieder ein Erlebnis. Vor unseren Augen fand eine Gnu-Wanderung statt. Die Tiere zogen stampfend an uns vorbei. Die Gnu-Jungen mussten mit den Älteren Schritt halten. Wer hier nicht mit kam, war verloren.
Unsere Fahrt ging weiter. Jetzt besuchten wir einen Massai-Kral. Am Eingang
bezahlten wir Eintritt. Junge und alte geschmückte Massai-Krieger stürzten
uns entgegen. Auch geschmückte Frauen näherten sich. Wir durften
fotografieren, und grunzend und hüpfend wurde von den jungen Männern
ein Kriegstanz angedeutet.
Nach der Vorstellung wurden wir händeschüttelnd umzingelt. Der
Rädelsführer brachte uns zum Kindergarten, wo uns Kinder ein Lied
vorsangen. Die meisten der Kleinen hatten hübsche Gesichter, auf denen
sich leider viele Fliegen tummelten und seelenruhig ertragen wurden.
Nach diesem Einblick in eine total fremde Kultur fuhren wir weiter zum Lake Manyara. Das Hotel war diesmal sehr einfach, aber die Aussicht war herrlich. Überall grünte und blühte es. Am Nachmittag fuhren wir zum Manyara Nationalpark. Affenfamilien tummelten sich am Wegesrand. Wir durchfuhren finstersten Urwald. Impalas (Springböcke) und Warzenschweine waren zu sehen.
Am Himmel kreisten wieder Adler. Elefanten und Giraffen durchzogen den Park. Es war tropisch heiß. Bald waren wir wieder im Hotel. Nach dem Abendessen sahen wir die Vorführung einer einheimischen Theatergruppe. Junge Leute hüpften singend vor uns herum. Ein Korb füllte sich mit unseren Geldspenden.
Am nächsten Morgen ging es zurück zu unserem Busch-Flughafen.
Wieder mussten wir auf die Landung unseres Flugzeuges warten. Massais näherten
sich uns vorsichtig. Zu ihrer Freude machten wir Fotos, so konnten sie sich
ein paar Dollar verdienen. Das schwarz gekleidete Mädchen, das uns auffiel,
wartete auf seine Beschneidung, wurde uns von unserem Fahrer erklärt.
Wir waren empört über diesen unsinnigen Brauch und voller Mitleid.
Mit zwei Stunden Verspätung kam endlich unser Flugzeug. Die Safari war erlebnisreich und wunderschön, aber jetzt freuten wir uns auf die Woche Badeurlaub in Kenia.
Nachsatz:
In den exotischen Ländern hat sich der Speisezettel in den Hotels den europäischen Bedürfnissen weitgehend angepasst. Das ist zwar ein bisschen schade, aber auch beruhigender, wenn man, wie wir Diabetiker, die Mahlzeiten berechnen muss. Ansonsten gilt für einen solchen Urlaub, dass man nicht unvorbereitet auf Reisen geht. Dazu gehören Informationen, die man im Tropeninstitut, beim Arzt oder auch beim Deutschen Diabetiker Bund erhalten kann.
Es gibt inzwischen auch Möglichkeiten, mitgeführtes Insulin kühl zu halten, auch wenn im Hotelzimmer kein Kühlschrank steht. Dazu gibt es Auswahl und Beratungen in jeder Apotheke oder im Diabetikerladen.
Ich kann nur für mich sagen: Reisen ist schön. Die Erinnerungen an außergewöhnliche Landschaften, unvergessliche Sonnenuntergänge und den Blick in fremde Kulturen kann mir niemand nehmen.
Texte und Fotos:
Karin Pospich, Berlin
E-Mail: Karin.Pospich@t-online.de





