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Insulinanaloga ermöglichen physiologische Insulintherapie - ein Wettstreit für die Gesundheit

Frankfurt, 13. April 2005 – "Die neuen Insulinanaloga sind eine große Bereicherung der Diabetestherapie", erklärte Professor Andreas Pfeiffer vom Universitätsklinikum Benjamin Franklin in Berlin. "Außerdem verdanken wir dem Wettbewerb um das beste Insulin eine Fülle solider Therapiestudien", ergänzte Professor Hans-Ulrich Häring von der Universitätsklinik Tübingen. Insbesondere die Daten der "Treat-to-Target"-Studien haben zwei wesentliche Erkenntnisse gebracht: Die basalunterstützte orale Insulintherapie (BOT) ist effizient und der HbA1c-Zielwert von sieben Prozent ist erreichbar. "Darüber hinaus haben Vergleichsstudien belegt, dass die intensivierte konventionelle Insulintherapie (ICT) mit Insulin glargin als Basalrate annähernd genauso gut ist wie die Insulinpumpentherapie," erklärte Professor Bruce W. Bode der Atlanta Diabetes Associates aus Georgia (USA) auf dem Symposium: "Physiological Insulin therapy in type-1 and type-2 patients" im Ludwig-Erhard Haus in Berlin.

"Dank der Insulinanaloga gilt heute ein HbA1c unter sieben Prozent - selbst bei langjährigem Typ-2-Diabetes - als realistisches HbA1c-Ziel", erklärte Häring. Denn Insulinanaloga können aufgrund ihrer besonderen pharmakokinetischen Eigenschaften bedarfsorientierte Insulinspiegel liefern: So deckt das lang wirksame Insulin glargin (Lantus®) den basalen Bedarf besser ab als das Verzögerungsinsulin NPH. Und das kurz wirksame Insulinglulisin (Apidra®) senkt den postprandialen Glukoseanstieg effektiver als Normalinsulin.

Welche klinischen Vorteile beispielsweise die anhaltend flachen Wirkspiegel von Insulin glargin im Vergleich zu NPH-Insulin bringen können, zeigen die Daten einer Meta-Regressionsanalyse aus drei Studien mit insgesamt 1.785 Typ-2-Diabetikern. Die Patienten erhielten entweder NPH-Insulin oder Insulin glargin im Rahmen einer basalunterstützten oralen Insulintherapie (BOT). Das Ergebnis: Bei gleicher Dosis und gleichem HbA1c-Zielwert führte das Insulinanalogon zu 40% weniger nächtlichen Hypoglykämien.1 Dieses geringere Risiko, in eine Unterzuckerung zu fallen, erhöht bei Arzt und Patient die Bereitschaft, strengere Zielwerte anzustreben.

Unter sieben Prozent ist erreichbar

Dass "kleiner sieben Prozent" selbst bei übergewichtigen Menschen mit langjährigem Typ-2-Diabetes erreichbar ist, zeigen die Daten einer Multizenterstudie mit 756 Patienten. Die Patienten (55 Jahre, BMI: 32 kg/m², HbA1c: 8,6 %, Nüchternblutzucker: 11 mmol/l bzw. 198 mg/dl) führten ihre orale Medikation fort und spritzten vor dem Zubettgehen entweder Insulin glargin (n=367) oder NPH-Insulin (n=389). Die Insulindosis wurde entsprechend dem Nüchternblutzucker kontinuierlich gesteigert. Das Ergebnis: Beide Gruppen waren mit 6,96 bzw. 6,97% in ihren HbA1c-Ergebnissen vergleichbar, allerdings traten in der NPH-Gruppe signifikant mehr Hypoglykämien auf.2 Die Beibehaltung der oralen Medikation hat zusätzlich den Vorteil, dass weniger Insulin benötigt wird. Dies liegt daran, dass die oralen Antidiabetika weiterhin die Insulinsekretion anregen und/oder die Insulinresistenz reduzieren.3

Um einen HbA1c-Zielwert unter sieben Prozent zu erreichen, sollte die Insulin glargin Dosis bis zum Nüchternglukosewert unter 100mg/dl bzw. 5,5mmol/l titriert werden. Ist dieser Nüchternglukosewert erreicht, der HbA1c-Wert steigt aber wieder über sieben Prozent an, so ist ein zusätzliches prandiales Insulin wie Insulinglulisin indiziert. Das kurz und schnell wirksame Insulinanalogon ist seit Oktober 2004 unter dem Namen Apidra® im Handel und sowohl für die ICT als auch für die kontinuierliche subkutane Insulininfusion (CSII) zugelassen.

ICT mit Lantus®: fast so gut wie die Pumpe

Dank des flachen Wirkspiegels ist die ICT mit Insulin glargin der Pumpentherapie weitgehend gleichwertig, meint Bruce Bode. "Wir kamen darauf, weil wir wissen wollten ob man auch mal „Pump-holidays" machen kann. Dies untersuchten wir in einer Studie mit jeweils 20 Typ-1-Diabetikern, die einen Ausgangs-HbA1c unter 8 % aufwiesen: Bei den Teilnehmern der Gruppe I wurde die bisherige Basalrate für Insulin glargin im Verhältnis 1:1 beibehalten, in Gruppe II betrug die Basalrate das 1,2 fache.4 Die Blutzuckerprofile wurden mittels kontinuierlichem "Glukosemonitoring System" erfasst. "Der Wechsel auf die ICT mit Glargin verlief ausgesprochen erfolgreich", erklärte Bode. Lediglich anfangs war der Wechsel in der Gruppe I mit starken Blutzuckerschwankungen verbunden. Dies stabilisierte sich allerdings schon mit dem zweiten Tag. Im Vergleich der beiden Gruppen schnitt Gruppe I, deren Basalrate unverändert auf Insulin glargin übertragen wurde, eher besser ab, insbesondere hinsichtlich nächtlicher Hypoglykämien und Glukose-Exkursionen.

Die Frage, ob der Umstieg von der Pumpe auf die ICT auch langfristig erfolgreich ist, untersuchte eine italienische Arbeitsgruppe: In einer 4-monatigen Studie führten 30 Typ-1-Diabetiker (35 Jahre, BMI: 22,7 kg/m², HbA1c: 7,0) nach Randomisierung entweder die Insulinpumpentherapie weiter oder wechselten zur ICT mit Insulin glargin plus einem schnellen Insulinanalogon. Wie die Ergebnisse zeigen, war die Blutzuckerkontrolle weiterhin gleichwertig. In der Insulin glargin-Gruppe lag die Rate der nächtlichen Hypoglykämien niedriger (0,69 + 0,06 versus 1,6 + 0,2). Diese guten Resultate bestätigten sich tendenziell auch in der zweiten Vergleichsstudie mit identischem Studiendesign bei insgesamt 57 Teilnehmern über 24 Wochen.5 Die Daten sind beruhigend für alle Diabetiker, die auch mal Ferien von der Insulinpumpe machen wollen. Nach kurzer Umgewöhnung bietet Insulin glargin eine gute Basalrate.

1 [Yki-Järvinen H., Häring H-U. et al., Diabetes 2003, 52 (Suppl. 2)]
2 [Riddle M., Rosenstock J. et al, Diabetes Care 2003]
3 [Janka HU et al.: Diabetes Care 28, 2005]
4 [Bode BW et al., Diabetes 2003; 52 (Suppl. 2) 438-P]
5 [Bolli GB. Et al. Diabetes 2004; 53, (Suppl. 2)].

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