Prof. Dr. Sawicki als befangen entlarvt
Entwarnung: EU-Behörde sieht derzeit keine erhöhte Krebsgefahr durch Lantus
Mit Erleichterung hat der Deutsche Diabetiker Bund die aktuelle Mitteilung der Europäischen Arzneimittelbehörde (EMEA) zur Kenntnis genommen, wonach eine erhöhte Krebsgefahr durch das Analoginsulin Glargin (Handelsname: Lantus) nicht bewiesen sei. Nach eingehender Prüfung ist der EMEA-Ausschuss zu dem Ergebnis gekommen, dass die Studien wegen methodischer Schwächen zu widersprüchlich seien und nicht zu eindeutigen Ergebnissen kommen. Um den Verdacht endgültig ausräumen zu können, sollen weitere Untersuchungen auf den Weg gebracht werden.
Der Bundesvorsitzende des Deutschen Diabetiker Bundes, Rechtsanwalt Dieter Möhler, kritisierte in diesem Zusammenhang, dass der Mitverfasser der Studie, Prof. Dr. Peter Sawicki, durch seine Veröffentlichung Panik unter den Betroffenen ausgelöst habe. Hunderte von besorgten Anrufern mussten durch die Mitarbeiter-innen und Mitarbeiter des DDB beruhigt werden.
Für Dieter Möhler beantwortet sich die Frage, warum Prof. Dr.
Sawicki gerade jetzt mit diesen vermeintlichen Ergebnissen an die Öffentlichkeit
gegangen ist, wie von selbst. Prof. Dr. Sawicki ist Leiter des für
die Kosten-Nutzenbewertung von Arznei-mitteln zuständigen Instituts
für Qualität und Wirtschaftlichkeit im Gesundheitswesen (IQWiG).
In dieser Funktion ist er verantwortlich für eine gerade veröffentlichte
Empfehlung an den Gemeinsamen Bundesausschuss, die Kostenerstattungspflicht
von langwirksamen Insulinanaloga (und dazu gehört Lantus) aus dem Leistungs-katalog
der Krankenkassen zu streichen. Im Übrigen ist soeben der Vorbericht „Kurzwirksame
Insulinanaloga bei Kindern und Jugendlichen mit Diabetes mellitus Typ 1 – Nachfolgeauftrag“ erschienen.
Da Prof. Dr. Sawicki seine Empfehlungen im Auftrag des Gemeinsamen Bundesausschusses
abgibt, muss er sich nun den Vorwurf eines Interessenkonfliktes gefallen
lassen. Es ist ein Skandal, wenn IQWiG und Prof. Dr. Sawicki an einer Studie
der AOK mitwirken und gleichzeitig in diesem Institut über die Kostenerstattungspflichten
von Krankenkassen entscheiden. Von Unabhängigkeit kann in einem solchen
Fall keine Rede mehr sein. Damit ist er in hohem Maße befangen. Dieter
Möhler fordert deshalb, die Kosten-Nutzenbe-wertungen von Prof. Dr.
Sawicki in seinem Institut neu aufzurollen.
Dieter Möhler weiter: „Wir verstehen das IQWiG als Verwaltungshelfer
in diesem System. Auch bei diesem, als privat geltenden Auftrag, müssen
die gesetzlichen Vorgaben wissenschaftlicher Ausarbeitungen sowie alters-
und lebensspezifischer Besonderheiten unbedingt berücksichtigt werden.“ Die
von der EMEA vorgenom-mene Ablehnung der Studie resultiert aus dem bewussten Übergehen
gerade dieser Besonderheiten. Diese objektive Tatsache erregt bei uns Betroffenen
die Besorgnis, dass die IQWiG-Darlegungen in dem Abschlussbericht nicht
unparteilich, sondern einseitig „krankenkassenfreundlich“ sind.
Das schließt eine Verwertbarkeit der IQWiG-Berichte aus, ebenso die
weitere Mitwirkung von IQWiG-Mitarbeitern zu dem im Gemeinsamen Bundesausschuss
anhängigen Insulinanaloga-Verfahrens.
Der Deutsche Diabetiker Bund wird beim unparteiischen Vorsitzenden des Gemeinsamen Bundesausschusses, Dr. Rainer Hess, wegen des vom IQWiG gesetzten „bösen Scheins der Befangenheit“ intervenieren. Eine weitere Mitwirkung von Prof. Dr. Sawicki im Verfahren zu den Insulinanalgo sollte unterbunden werden!
Deutscher Diabetiker Bund e. V.
Goethestr. 27
34119 Kassel





