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Pressemeldung

DDB 2009:
Ziel: Ein Dachverband für alle!

DDB-Bundesvorsitzender Dieter Möhler (44) gibt im Diabetes-Journal-Interview Auskunft über die Ziele des Deutschen Diabetiker Bundes und über die neue Organisation „diabetesDE“.

Diabetes-Journal (DJ): Welche Themen gehen Sie als Bundesvorsitzender zuerst an?
Dieter Möhler: In erster Linie stellt es sich als Herausforderung dar, in der ganzen Bundesrepublik eine verbesserte, umfassende Versorgung aller Diabetiker, unabhängig, ob dies Kinder sind oder Senioren, zu initiieren. Bei ausreichender klinischer Versorgung müssen Modelle entwickelt werden, die auf ambulanter Basis in kurzer Entfernung zum Betroffenen mit hervorragender Qualität Diabetes diagnostizieren und therapieren. Diabetes bedeutet in meinem Begriffsverständnis nicht nur die Grunderkrankung, sondern jedwede mit ihr verbundene Folgeerkrankung. Auch diabetesspezifische Pflege wird in dem Zusammenhang ein wichtiges Thema sein. Nachdem sich solche Modelle nicht kurzfristig umsetzen lassen, muss bereits im Jahre 2009 mit einem Handlungskonzept begonnen werden, diese Patientenversorgung, wie sie sich jetzt darstellt, umzugestalten, um hier keine Zeit mehr zu verlieren. Weiteres Thema ist, nach Schaffung der DMP-Programme deren gleichmäßige Umsetzung in den einzelnen Bundesländern zu gewährleisten, da hier erhebliche Unterschiede aufgrund der föderalen Struktur zu erblicken sind. Schließlich ist es aus meiner Sicht auch im Hinblick auf das oben genannte erste Ziel erforderlich, einen großen Dachverband zu schaffen, in dem all diejenigen organisiert sind, die mit der Patientenversorgung „Diabetes“ zu tun haben.

DJ: Welche wichtigen Termine stehen an?
Möhler: Zu Jahresbeginn 2009 ist ein wichtiger Termin ein solcher im Gesundheitsministerium, da dort eine bessere Verankerung von Patientenrechten nachhaltig zu fordern ist. Hier gibt es Aspekte, die immer wieder vernachlässigt werden. Gerade die Tendenz der Gesundheitspolitik, den Anspruch der betroffenen Diabetiker auf Leistungsteilhabe am Gesundheitssystem aus Kostenersparnisgesichtspunkten zurückzudrängen, fordert hier ein aktives Vorgehen unsererseits. Die Forderungen des DDB hinsichtlich einer besseren Beteiligung der Patienten in den Organen der Krankenversicherung sind bekannt. Hier werden wir die Forderungen gegenüber dem Gesundheitsministerium weiterverfolgen. Aus unserer Sicht müssen auch die für den Betroffenen wichtigen Informationen besser zugänglich werden. Die gesetzlichen Grundlagen in Deutschland verbieten derzeit beispielsweise eine Informationserteilung der Pharma-Industrie an die Patienten, weil nach Meinung des Gesetzgebers sofort eine Werbung der Pharmaindustrie für deren Produkte vermutet wird. Das kann so nicht richtig sein. Der Patient ist mündig, begreift. Die Patienten sind in Deutschland in der Lage, selbstverantwortlich mit Informationen umzugehen, und zu verstehen. Das können sie nur, wenn sie dies auch dürfen.

DJ: Was ist mit der DDU passiert – gibt es die Union noch?
Möhler: Die Deutsche Diabetes-Union – also der Dachverband bestehend aus Behandlerseite wie der Deutschen Diabetes-Gesellschaft (DDG) und dem Verband der Diabetesberatungs- und Schulungsberufe in Deutschland sowie auf Betroffenenseite dem Deutschen Diabetiker Bund und dem Bund diabetischer Kinder und Jugendlicher – ist zum Jahresende aufgelöst aufgrund ihrer eigenen Satzungsbestimmungen. Die Auflösung resultiert aus einer von der DDG als Vereinigung der Diabetologen erklärten Kündigung ihrer Mitgliedschaft, die zwangsläufig zur Auflösung führte. Die Satzungsziele der Union können dementsprechend nicht mehr weiterverfolgt werden. Es geht lediglich noch um die Liquidation betreffend vorhandenes Aktivvermögen, das einerseits aus dem Projekt „Insulin zum Leben“ und andererseits aus dem „Nationalen Aktionsforum Diabetes mellitus“ besteht.
DJ: Was passiert mit dem Projekt „Insulin zum Leben“?
Möhler: Es erscheint unsicher, ob aufgrund der aufgezeigten Auflösung das Projekt als solches ab 2009 eine weltweite Insulinversorgung mitvermitteln kann. Aus Sicht des DDB als Selbsthilfeverband soll das Projekt, das getragen ist von sozialen Belangen, selbstverständlich fortgeführt werden. Es böte sich eine Angliederung unter dem Dach der Selbsthilfe an. Hier muss jedoch eine Einigung mit den Verbandsmitgliedern der DDU erst noch herbeigeführt werden.

DJ: Welche Marschrichtung verfolgt der DDB-Bundesvorstand bei „diabetesDE“?
Möhler: Beim Thema diabetesDE verfolgen wir zusammen mit den einzelnen Landesverbänden eine einheitliche Richtung: die Überzeugungsbildung, dass 1. ein Dachverband als Organisationsform für alle, die mit dem Thema Diabetes beschäftigt sind, notwendig ist; und 2. bei allen, die dort organisiert sein wollen und sollen, in aller Deutlichkeit die Mündigkeit der Betroffenen begreifen und erkennen zu lassen, dass diese durchaus in der Lage sind, beim Thema Diabetes mitzugestalten und dementsprechend auch mitentscheiden müssen.

DJ: Ist die Gründung von diabetesDE in Ihren Augen unverzichtbar gewesen?
Möhler: diabetesDE ist ein Name. Gefordert ist ein Dachverband, der alle Aufgaben und Herausforderungen zusammen mit den Betroffenen und deren Erfahrungen und Kenntnissen gemeinschaftlich löst. Lassen Sie es mich verbindlich formulieren: Ein gemeinschaftlicher Dachverband mit diesem Lösungsansatz ist unverzichtbar.

DJ: Machen Sie als Interessenvertretung der Diabetiker Deutschlands in absehbarer Zeit mit bei diabetesDE – bzw. was müsste passieren, damit Sie als DDB dabei sind?
Möhler: Es gibt eine einstimmige Beschlusslage beim DDB, die der Bundesvorstand umsetzt. In der jetzigen Organisationsform von diabetes DE machen wir dort nicht mit. Was passieren muss, sind Satzungsänderungen. Allgemein ausgedrückt muss die Ausgestaltung von diabetesDE so erfolgen, dass dieser Verband Spiegelbild des Auftretens von Einzelnen, Organisationen und Betroffenen um das Thema Diabetes in der Gesellschaft wird. Eine Beteiligung der Betroffenen in entscheidender Art und Weise in allen Organebenen muss gesichert sein, was derzeit nicht der Fall ist. Die Gründungsschwächen der Satzung, die oben benannt sind, sind der Geburtsfehler von diabetesDE. Die Probleme sind nur überwindbar, wenn Einsicht und Vernunft einkehren. Ansonsten wird die fehlende strukturelle Einbindung der Patienten in die Entscheidungsprozesse eine dauerhafte Behinderung des Verbandes darstellen, die aus meiner Sicht zum Scheitern führen wird.

DJ: Haben DDG und VDBD Fehler gemacht in Verhandlungen mit dem DDB?
Möhler: Natürlich. Die DDG hat schon einen entscheidenden Fehler damit gemacht, die Satzung durch einen sogenannten „Change
Manager“ ausarbeiten zu lassen, der in einem einseitigen und weisungsabhängigen Auftragsverhältnis zur DDG stand. Damit hat eine ausreichende Anhörung der Patienten und eine Verwirklichung von deren Interessen, auch eine Einhaltung von zwangsnotwendigen Vorgaben, die im Gesetzesbereich für die Selbsthilfe gelten, keinen Einfluss finden können. Der Deutsche Diabetiker Bund hat, auch unter Mitwirkung des BDKJ, sogar einen eige-nen Satzungsentwurf ausgearbeitet und übermittelt, den die beiden anderen Gruppen nicht einmal in einer der Delegiertenversammlungen zur Beratung gestellt haben. Dass sich dadurch Fronten verhärten, liegt auf der Hand.

DJ: Welche Ziele haben Sie?
Möhler: Die genannten Ziele lassen sich nur über die Installation eines großen Dachverbands schaffen. Chancen sind immer auch mit Risiken verbunden, wenn wirtschaftliche Tätigkeiten damit denknotwendig zusammenhängen. Es liegt auf der Hand, dass wir als Selbsthilfeverband für unsere Mitglieder keinesfalls wirtschaftliche Risiken eingehen dürfen. Hierfür brauchen wir den Dachverband und dort zu schaffende Organisationsformen.

DJ: Sie sind Rechtsanwalt. Ist das ein Vorteil für den DDB?
Möhler: Die Frage muss an unsere Mitglieder und die Betroffenen gestellt werden. Sicher ist, dass, betreffend Versorgungsqualität, Therapie und Medikation von entscheidender Bedeutung sind. Die Weichenstellungen hierfür werden aber im Gesetzgebungsverfahren und durch die Verwaltung wahrgenommen, beides klassische Betätigungsfelder für den Juristen.

 


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