Liebe Mitglieder und Freunde, liebe Betroffene!
Für den Deutschen Diabetiker Bund und seine Mitglieder geht ein ereignisreiches Jahr zu Ende. Unsere Gesellschaft verändert sich — und der Deutsche Diabetiker Bund ebenfalls. Gemeinsam mit Ihnen wollen wir für alle von dieser Krankheit Betroffenen eine Lobby sein, damit Diabetiker ihre Lebensqualität aufrechterhalten bzw. wieder zurückgewinnen können. Von diesem Anliegen macht auch der neue Vorstand keinerlei Abstriche. Wir sehen uns derzeit vielfältigen Ansprüchen an die Selbsthilfe ausgesetzt. Jahr für Jahr werden die Belastungen für alle in einem Ehrenamt Tätigen, ob in den Landesverbänden oder im Bundesverband, ständig höher.
Im Namen des Bundesvorstandes danke ich allen ehrenamtlich Tätigen herzlichst für die aufopferungsvolle Bereitstellung ihrer Zeit und Kraft. Das von uns in der Selbsthilfe gemachte Angebot wird von allen Betroffenen akzeptiert, erwartet oder bisweilen gar gefordert, wie die Inanspruchnahme der von uns zur Verfügung gestellten Beratungsmöglichkeiten, unserer Homepage oder auch der von uns zugänglich gemachten Publikationen täglich aufs Neue zeigen. Wir dürfen uns aber auch als Partner der Gesundheitspolitik verstehen, mit dem Anspruch, die Anliegen chronisch kranker Diabetiker umfassend zu vertreten. Ich verweise in diesem Zusammenhang auf die von uns kontinuierlich wahrgenommene Anhörungsmöglichkeit im Gemeinsamen Bundesausschuss, die letztendlich aufgrund unseres Einschreitens zur Abwendung von Nachteilen für die Betroffenen führt. Gleichwohl wird es aber immer schwieriger, sich den gewachsenen Ansprüchen zu stellen. Wir benötigen daher eine ständig steigende Anzahl an Mitstreitern. Und doch ist es überraschenderweise trotz einer gestiegenen Erwartungshaltung sehr schwer, weitere Mitglieder für eine konstruktive Mitarbeit zu gewinnen.
Das vergangene Jahr war auch von Großveranstaltungen geprägt. Genannt seien hier die hervorragend gelungenen Landesdiabetikertage oder der Diabetikertag in Kassel. Teilweise reichten allerdings unsere Ressourcen nicht aus, um alle Beratungsaufgaben der Selbsthilfe umfassend wahrnehmen zu können. Trotz Gründung der Organisation „diabetes.DE“ — ohne uns — bleibt weiter die Schaffung eines effizienten Verbundes die Hauptaufgabe. Dieser soll aus all jenen bestehen, die Diabetes und dessen Folgen diagnostizieren und therapieren, und dabei helfen, dass man mit der Krankheit im täglichen Leben umgehen kann. So haben die Gründungsmitglieder dieser Organisation, die nach ihrem Selbstverständnis einen Alleinvertretungsanspruch innehaben wollen, es versäumt, die breite Basis der Patientenschaft mit einzubinden. Hier ist die gefühlte Kompetenz dieser Organisatoren höher gewesen als die tatsächliche in der Praxis. Es ist nach wie vor unklar, warum die breite Basis der Patientenschaft außen vor bleiben musste. Und doch ist die Lösung recht einfach: die Organisatoren haben schlicht und einfach übersehen, dass Patienten bzw. Diabetiker mündig sind, zukünftig bei allen Fragen, die sie betreffen, mitentscheiden wollen. Echte Partnerschaften sind angezeigt: zwischen Patienten, Ärzten und all denjenigen, die Leistungen für die Betroffenen erbringen. Und das auch im Spannungsfeld zu Politik und Krankenversicherungen.
Die große Herausforderung der Zukunft wird sein, die Patientenversorgung im Allgemeinen sicher zu stellen, haben wir doch in Deutschland hochtechnisierte Standards hinsichtlich der Therapien erreicht. Die nächsten Jahrzehnte werden davon geprägt sein, diese Versorgung abzusichern. So haben beispielsweise berufstätige Mütter mit einem diabetischen Kind Schwierigkeiten, dieses einer klinischen Versorgung zu unterziehen. Umfassende ambulante Versorgungseinheiten fehlen nach wie vor und stellen augenfällig Versorgungslücken dar. Dies trifft ebenso für erwachsene berufstätige Diabetiker zu, die angesichts einer allgegenwärtigen Bedrohung von Arbeitsplätzen nicht gewillt sind, durch längere Klinikaufenthalte ihren Job zu riskieren. Eine umfassende ambulante Betreuung ist derzeit nicht abgesichert. Problematisch gestaltet sich auch die Behandlung von älteren, immobilen Diabetikern. Gerade in ländlichen Gegenden fehlt nicht selten eine solide Verkehrsinfrastruktur, die es ermöglicht, dass die Patienten vom Diabetologen kommend eine diabetische Fußambulanz oder auch einen Augenarzt aufsuchen können. Von weiteren Erfordernissen, wie beispielsweise einer diabetisch spezifischen Pflege, soll hier noch gar nicht gesprochen werden, Ist diabetes,DE dafür die Lösung? Nein. Wir wollen über entsprechende Mitentscheidungsmöglichkeiten, die uns in der Satzung dieses selbstgerühmten Verbandes verwehrt wurden, Fehlentwicklungen verhindern und falsche Schwerpunktsetzungen vermeiden. Ein solches Mitentscheidungsrecht hätte nur über akzeptable Satzungsgestaltung geschaffen werden können. Die Kompromissbereitschaft des Deutschen Diabetiker Bundes ist ignoriert worden. Zuletzt bestand seitens der Organisatoren von „diabetes.DE“ nur noch die Bereitschaft zum Abschluss eines Kooperationsvertrages. Ein solcher würde allenfalls eine Informations- und Anhörungsmöglichkeit für die Diabetiker bieten. Eine echte Möglichkeit zur Mitentscheidung aber sicherlich nicht. Wir werden dementsprechend nach Wegen suchen, die oben genannten Ziele zu verwirklichen. Daran werden wir künftig gemessen.
Der Bundesvorstand will durch eine solide Arbeit bei allen Ärzten und Behandlern eine hohe Akzeptanz und ein Ohr für die Belange der Diabetiker finden. Im schwierigen Umfeld der Interessenvertreter und Lobbyisten werden wir Sprachrohr der Betroffenen sein und uns nicht vereinnahmen lassen. Der Zeitpunkt ist gekommen, den Einfluss und den guten Namen des Deutschen Diabetiker Bundes auch im Feld der Politik für die Interessen der Diabetiker auszubauen und verstärkt zu nutzen.
Wir bedanken uns bei Ihnen allen für die Unterstützung und wünschen Ihnen Gesundheit, ein gesegnetes Weihnachtsfest und alles Gute für das Jahr 2009.
Ihr Dieter Möhler
Bundesvorsitzender
im Auftrag des Bundesvorstandes





