Protestaktion "Patienten wehren sich": Bereits über 180.000 Unterschriften gesammelt
Kassel, 4. Juli 2006: Ein stolzes Zwischenergebnis der Aktion „Patienten wehren sich“ hat der Deutsche Diabetiker Bund (DDB) heute präsentiert: Bundesweit wurden mehr als 180.000 Unterschriften für den Erhalt der kurzwirksamen Insulinanaloga in der Diabetestherapie gesammelt. „180.000 Stimmen bedeuten die rote Karte gegen die Ausgrenzung von Patienten, wenn es um Weichenstellungen in der modernen medizinischen Therapie geht“, unterstreicht DDB-Bundesvorsitzender Manfred Wölfert.
Die Aktion richtet sich gegen die drohende Herausnahme der kurzwirksamen Insulinanaloga aus dem Leistungskatalog der gesetzlichen Krankenkassen. Danach stünden diese modernen Diabetestherapeutika den Betroffenen nicht mehr zur Verfügung.
Der DDB kritisiert, dass die Patienteninteressen in der Bewertung von kurzwirksamen Insulinanaloga nicht ausreichend berücksichtigt wurden. Dies begann bei der sogenannten wissenschaftlichen Analyse der vorhandenen Studien zu den kurzwirksamen Insulinanaloga und zog sich über die verschiedenen Anhörungen. Der DDB fordert daher, dass eine Entscheidung des G-BA sich nicht gegen Patienteninteressen richten darf. „Unser Ziel ist nicht, eine ausschließliche Therapie mit kurzwirksamen Insulinanaloga für jeden Diabetes-Patienten zu ermöglichen. Unser Ziel ist der Erhalt der Therapiefreiheit und der Therapiewahl für Patienten, die nachweislich von der Therapie mit kurzwirksamen Insulinanaloga profitieren. In Deutschland liegt die Größenordnung bei rund 400.000 Betroffenen von 6,5 Millionen behandelten Diabetikern.“, erläutert Manfred Wölfert.
Gesundheitsreform – ein Denkanstoß aus Patientensicht
Angesichts der drohenden finanziellen Zusatzbelastung um die Gesundheitsreform mahnt der DDB, dass es trotz höherer Beiträge nicht weniger Leistung für den Versicherten geben kann. „Der DDB macht auf einen Widerspruch aufmerksam. Auf der einen Seite müssen die Versicherten mit steigenden Beiträgen rechnen. Und das trotz der aufwändigen Therapieprüfungen auf Qualität und insbesondere Wirtschaftlichkeit; Therapieprüfungen, wie sie zum Beispiel an kurzwirksamen Insulinanaloga durchgeführt wurden, und die befunden haben, dass diese Therapien angeblich keinen Zusatznutzen bringen würden. Somit wurden kurzwirksame Insulinanaloga ins ‚Abseits’ geprüft. Die Patienten sind daher bei steigenden Beiträgen für immer weniger Leistung die Verlierer. Das ist keine Reform, das ist Rationierung pur“, kritisiert Manfred Wölfert.
Die Entscheidung über die kurzwirksamen Insulinanaloga ist ein Präzedenzfall. Das Institut für Qualität und Wirtschaftlichkeit im Gesundheitswesen (IQWiG) wurde vom G-BA beauftragt, Schritt für Schritt Therapiestrategien zu bewerten. „Heute sind es die Diabetiker – morgen Herz-Kreislaufkranke und Andere. Eine medizinisch wie wirtschaftlich sinnvolle Therapie ist sicherlich auch im Interesse der Patienten; aber die Prüfungen dürfen nicht auf eine verkappte Rationierung medizinischer Leistungen hinaus laufen“, betont der DDB-Vorsitzende Manfred Wölfert.
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